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Der Krieg der 100 Catherines (#9)

Manchmal, wenn man an einer Klippe steht, überkommt einen das unglaublich dringende Gefühl, einfach zu springen. Oder wenn man an der gleichen Klippe mit einem geliebten Menschen steht und denkt, ich könnte dich jetzt einmal kurz anschubsen und es wäre vorbei. Man schreckt kurz auf und wundert sich über seine Gedankengänge. Ist man auf einmal komplett übergeschnappt? Aber keine Angst. Das sind keine geheimen Todeswünsche oder Mordgelüste. Man könnte sogar sagen, es ist das genaue Gegenteil. Der Körper ist sich der Gefahr mehr als bewusst und schaltet in Alarmbereitschaft. Er will kämpfen. Und interpretiert diese Spannung als Vorbereitung auf eben jenen Akt - im Englischen trägt er den wunderschönen Namen "Call of the Void", also Ruf der Leere. Hat was Lovecraft.

Du bist komplett in meiner Hand, denke ich. Nur ein Druck auf diesen verdammten roten Knopf. Zack. Ende. Aus. Ich umkreise mit meinem Finger das Plastik. So viel Aufwand. Wer braucht eigentlich Klone, verdammt? Es wir…

Der Krieg der 100 Catherines (#8)

Ihr kennt sicher das Phänomen, wenn man mit seinem Auto unterwegs ist und parken möchte: man greift instinktiv zum Lautstärkeregler und vermindert die Geräuschkulisse im Auto. Wenn man darüber nachdenkt, dann ist das eigentlich sehr schnell erklärt. Das Hirn hat nur eine bestimmte mentale Kapazität, mehrere Dinge gleichzeitig sind da nicht vorgesehen. Es hat Schwierigkeiten, gleichzeitig in drei Dimensionen zu denken und dabei noch die Klänge der Lautsprecher zu verwerten, also nimmt sich das Hirn selbst etwas Druck, indem es die Quellen von Input stumm schaltet, die gerade keine Priorität haben.

Mit einem zielgerichteten Dreher stelle ich das Radio lauter, um die beängstigenden Geräusche meines Motors zu überdecken. Du musst nicht mehr lange machen, Kleines. Ein bisschen noch.
Fast überhöre ich mein vibrierendes Handy. Catherine Zealwood. Das omniöse Standardbild für Kontakte passte zu Catherine, auch wenn ich sehr viele tolle Bilder von ihr habe, bleibt dieses gesichtlose etwas an d…

Der Krieg der 100 Catherines (#7)

Koffein an sich ist eigentlich sehr ungefährlich. Es bräuchte an die 70 Tassen Kaffee, bis ich den Löffel abgeben würde - und das ist scheiße viel, selbst für einen Mann meiner... äh, Statur. Bin ja nicht der Breiteste. Was aber wichtig ist, es braucht sehr viel Koffeinkonsum, um jemanden auszuschalten, und praktisch gesehen ist das echt schwierig. Wenn man nicht gerade pures Koffeinpulver schnupft oder sonst irgendwelche Herzprobleme haben, dann sollte es eigentlich recht unmöglich sein, als normaler Mensch an zu viel Koffein zu sterben.
Außerdem entwickelt man irgendwann eine Toleranz, wie bei jeder anderen Droge. Ja, Koffein und Kaffee sind Drogen. Aufputschmittel. Die beste Sorte. Aber wie gesagt, Toleranz. Irgendwann braucht es den morgendlichen Trank, damit man nicht den Nebenwirkungen (wie Kopfschmerzen) erliegt. Und das Zeug wird irgendwann ineffektiv.

Das erfahre ich leider auch gerade am eigenen Leib.
Vorsichtig blinzle ich die Armada an Tassen auf meinem Schreibtisch an. Mi…

#001

Nun also sitze ich hier, tief in der Nacht, verfasse Zeilen, die du niemals lesen wirst, im Leuchten der kleinen Kerze, die schon bald erlischt.
Mich trägt der Gedanke an dich durch die Nacht.
So romantisch wie es auch klingen mag; an mir zehrt dieser Gedanke.
Er entfacht sich lichterloh in meinem Kopf, zuerst mit Euphorie, dann mit Angst.
Ich sehne mich nach dir. Mir brennt mein Herz.
Mich fürchtet's vor meinem eigenem Empfinden. Und mir erschließt sich nicht weshalb.
Ich weiß nicht, wieso ich mich so nach deinen Worten sehne.
Mir fehlt es nicht an Eigenliebe - ich bin kein Mann von bescheidener Natur.
Doch trotzdem liebe ich jedes warme Wort von dir.
Normalerweise zieht es mich nicht so an Menschen heran, ich beschreite lieber meine eigene Wege.
Aber dennoch will ich dich mitnehmen auf meine Reise, dir von jedem Schritt erzählen,
als wäre es eine Weltumsegelung.
Deine Stille brennt mich von innen aus. Ich setze Funken nach Funken, doch du bleibst kalt.
Nie war diese Kälte so läh…

Das weiße Kaninchen

Tief in der Nacht wälze ich mich im Bett. In mir wühlt sich das Gefühl der Unruhe. Ich will stehen. Ich will laufen. Es knabbert an mir, es kitzelt, es brennt.
Die kalte Luft kühlt mein Gemüt. Aber meine Beine ruhen nicht und tragen mich durch die Straßen.
Und trotzdem liegen meine Gedanken noch im Bett und wälzen sich. Sie springen im Raum auf und ab.
Plötzlich halten meine Beine mich fest. In der grauen Dunkelheit glänzt schneeweißes Fell. Meine Augen sind fixiert. Von außen mag ich regungslos erscheinen, doch in mir wickeln sich zehntausend Szenarien ab, zehntausend Geschichten, die dieses Kaninchen zu erzählen hat. Wieso sitzt es dort und schaut mich an? Was will es mir sagen?
Mein Kopf raucht. Nervös trommele ich mit meinen Fingern auf das Innenfutter meiner Jackentaschen. Beine. Ja. Ich renne auf das Kaninchen zu. Das Kaninchen läuft weg. Doch das ist das Einzige, was mir gerade als sinnvoll erscheint. Ich kann ja nicht einfach stehen bleiben. Ich will einfach nicht stehen bleib…

Kommentar zu "Der brave Herr Schulz", oder: MEGA!

Dieser Beitrag ist ein Kommentar zu diesem Beitrag. Also erstmal das lesen, bitte dankeschön.

Das Wichtigste gleich zum Einstieg:
Es passiert echt nicht oft, dass mich ein Beitrag im Spiegel aufregt. Das es dann noch in solch einem Rahmen passiert, als das ich mich dazu gezwungen sehe, etwas dazu zu schreiben, passiert noch viel seltener.
Und was zur gottverdammten Hölle will uns der Autor eigentlich sagen?! Erstmal ganz unabhängig davon, was er über Schulz sagt. Wieso ist die AfD der Gewinner des Abends? Nur, weil den Abend über die angeblichen "Folgen" der "Flüchtlingskrise" gesprochen wurde (übrigens - Claus Strunz ist für seine unglaublich dämlichen und vorwurfsvollen Fragen nicht zu Unrecht in die Kritik gekommen), heißt das noch lange nicht, dass der AfD wertvoller Spielraum zugekommen ist. Meiner Meinung nach ist eher der gegenteilige Fall eingetreten: Erst dadurch, dass solch penetrante und fehl am Platz wirkende Fragen gestellt wurden, die mit einer Kanzle…

Musikalischer Mittwoch - Genau in diesem Ton

Man kauft keine CDs mehr. Zumindest ist es sehr selten geworden. Schon vor mehr als zehn Jahren ist es üblich geworden, sich seine Musik einfach online zu kaufen und dann direkt schön verpackt als MP3 zur Verfügung zu haben - mittlerweile kann man auch einfach den Streaming-Dienst seiner Wahl beanspruchen und sich seine Wunschmusik quasi umsonst auf die Ohren rieseln lassen.
Ich will das auch gar nicht verurteilen, es ist ja nicht einfach so die beliebteste Methode geworden, um Musik zu konsumieren. Ohne mein Spotify-Abo wäre ich sehr, sehr unglücklich. Oder Raubkopierer.
Aber ab und zu soll es doch vorkommen, dass ich mir noch eine physikalische CD kaufe - meistens um die Werke meiner Lieblingskünstler in einem Schrank präsentieren zu können. Und weil mein Autoradio scheiße ist und nur auf CDs anspricht.
Es ist aber irgendwo auch ein kleines Abenteuer - vor allem dann, wenn man wortwörtlich nur einen Song des Albums kennt und dann auf einmal genau dieses Album für einen Spottpreis vo…