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Ich komme irgendwie viel zu selten dazu, meine Gedanken festzuhalten, sei es online, offline, oder sonst wie.
Keine Ahnung woran das liegt. Ist sowieso so 'ne Schwäche von mir: ich fange viel an, ich nehme mir viel vor, aber irgendwie hab ich nie diesen Grad der Motivation, wo ich mich quasi dazu gezwungen fühle kreativ zu werden.
Was mich aber am meisten an mir (beziehungsweise an meinem "kreativem" Schaffen) stört, ist die Angst vor dem "OH MEIN GOTT WAS WERDEN DIE LEUTE DENKEN".
Jeder der Gekunstwerkelt hat und seinen kreativen Unfall dann veröffentlicht hat kennt dieses Gefühl.
Man lässt sein Werk in diese große, weite, kalte Welt hinaus, wo sie den kritischen Blicken der anonymen Massen nackt ausgeliefert daliegt. Man will gut ankommen. Man will sich und seine Kreativität gut verkaufen und nicht als kompletter Vollspast dastehen.

Aber wieso? Wieso hat man diese Angst? Vorallem als Künstler ohne allzu großes Publikum sollte einem das doch egal sein. Immerhin drücke ich mich ja selbst aus in meinen Werken. Ich erschaffe zusammenhänge, die so (hoffentlich) noch nie gegeben waren. Mein Leiden, mein Passion, mein metaphorisches Blut fließt in meinen Werken. So gebe ich meinen Gedanken eine physikalische Form. Es ist für mich, und nicht für irgendwen anders. Ausser wenn ich ein romantisches Gedicht an eine Angebetete verfasse, dann versuche ich ja, jemanden eine schön verpackte Nachricht zu übermitteln, ABER DAS GEHÖRT HIER JETZT NICHT ZU WEIL DAS IST NICHT DIE ART KUNST DIE ICH MEINE SONDERN EIN SHORTCUT FÜR BETTGEFLÜSTER UND BLAAAAAA. Wenn anderen Leuten meine Werke gefallen, ist das halt ein netter Nebeneffekt.

Es ergibt sich aber leider ein Knackpunkt.

Aus der Leidenschaft, irgendetwas zu kreieren, wird irgendwann vielleicht ein Berufswunsch. Zum Beispiel will man ein Jugendromanautor werden. Oder ein Indie-Post-Punk-Core-Jungle-Artist. Oder ein Postkartenmaler. Oder sowas eben.
Man macht sich also ran, macht irgendwas, klebt ein Preisschild dran und hofft, dass sich einer dazu bereit erklärt, dir Geld dafür zu geben, damit diese eine Person dann im Besitz einer deiner Werke ist. Theoretisch ist das ja alle kein Problem. Aber wenn man doch Sachen eigentlich für sich macht und seine eigenen Gedanken zu Papier / Byte / CD / Leinwand bringt, wie kann man daraus auch noch Profit schlagen? Wir sind ja eigentlich alle ziemlich individuell. Wie kann ich dann erwarten, dass mein epischer Dubstep-Song über die Beschädigung meines Zehennagels andere Personen anspricht und sie dazu bewegt, mir Geld zu geben?
Ich muss irgendwelchen Massen gefallen, damit ich mich als Künstler über Wasser halten kann. Aber um das zu erreichen, muss ich meine Werke irgendwie so verpacken, dass viele Leute es verstehen und sogar gut finden. Dabei verfälsche ich aber das, was ich eigentlich sagen wollte. Sachen werden allgemeiner, simpler und indifferenzierter, um mehr Menschen zu gefallen, damit ich Geld verdienen kann.

So schade wie es auch ist, wenn man versucht, seine Leidenschaft zu monetarisieren, muss man eben eine Gradwanderung hinlegen. Die Angst, die ich anfangs angesprochen hab, ist also irgendwie doch berechtigt.

Und das ist kacke.

Denn Angst verhindert, dass tolle Menschen, die total kreativ sind, sich wirklich frei entfalten. Skripte werden angefangen, 20 Seiten werden ausgeschrieben, und dann landet das Zeug doch irgendwo in einer Schublade. Und irgendwo muss man ja auch anfangen. Nur ist es halt echt beschissen, wenn man sein erstes Werk irgendwo präsentiert und sofort einen Shitstorm auslöst, der einen dazu bringt, nächtelang weinend in der Ecke zu kauern. Oder so.

Vielleicht sollten wir einfach mal mutiger sein? Keine Ahnung.
Jedenfalls will ich mal wieder mehr machen. Für mich. Immerhin kann man so seine Gedanken sortieren.

- Dan out

Kommentare

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