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Meinungssache

Es gibt so viele Dinge auf der Welt, die sich in so viele weitere Unter-Dinge spalten, die sich wiederum in noch mehr Unter-Unter-Dinge spalten und so weiter und so fort.
Da kann es natürlich vorkommen, dass man manches von diesen Dingen nicht mag oder eben doch. Je nachdem, wie man halt so tickt.
Und - oh Wunder - man bildet sich auch seine Meinung zu diesen Dingen. Herzlichen Glückwunsch, dein Hirn bewältigt die simple Aufgabe, Dinge zu bewerten! Mit diesen Meinungen bilden wir einen Grundbaustein unserer Identität und machen uns einzigartig.

Natürlich bilden wir uns auch eine Meinung über Sachen, die kulturell in dieser Zeit besondere Bekanntheit oder Einfluss haben, den "Mainstream".
Und im Zusammenhang mit dem Mainstream wird bei der Bekanntgabe einer Meinung oft das Wort "Geständnis" gebraucht (beziehungsweise der Kontext lässt zu verstehen, dass es sich bei einem Post um ein Geständnis handelt). Einige Menschen fühlen sich stark, mutig, ja sogar richtig edgy, wenn sie sich dazu bekennen, gegen Mainstreammedien zu sein, gegen bestimmte kulturelle Normen zu sein und sowas. Lustigerweise fühlen sich aber andere Menschen auch so mutig, wenn sie sich für den Mainstream aussprechen. Und dann kommen wir noch tiefer in diese Kreise der Mutigsten der mutigen Geständnismacher, wo man sich gegenseitig aufbaut, eben weil man eine bestimmte Meinung vertritt (hier gibt es im Englischen das wunderschöne Wort circlejerk), und die, die dann anderen Meinung sind, werden diskrimiert, verhöhnt, verspottet und jadda jadda. Mutige Helden, die sich im Lichte einer allgemein läufigen Meinung gegen die Massen stellen und sich für irgendwas anderes aussprechen.

Ausser, dass es keine Helden sind. Sondern Arschlöcher. Bestätigungsgeile Arschlöcher.
Ich meine, what the fuck, Leute.

Wie ich oben bereits erwähnt habe, ist es so ziemlich jedem normalem Menschen möglich, sich eine Meinung über etwas zu bilden. Wir können alle etwas gut oder schlecht finden. Dazu sind wir in der Lage, ohja. Wie fällt es dann manchen Menschen ein, sich selbst so mega geil zu finden, nur weil sie eine Meinung zu irgendwas haben, die sich vielleicht nicht so ganz mit den anderen Meinungen deckt? Das ist nicht individuell oder so. Zum zigtausendsten mal, wir können uns alle eine Meinung bilden. Und was gibt diesen "mutigen Helden" das Recht, ihre Meinung als die Bessere zu deklarieren? Wenn es um klare moralische Sachen geht, zum Beispiel Gleichbehandlung von Menschen und ähnliches, dann hat man ja die moralische Verpflichtung eine bestimmte Meinung zu haben, damit man ein moralisch legitimiertes Leben führen kann. Aber nur weil du Twilight scheiße findest, bist du nicht cooler als irgendwer anders. Genauso bist du nicht krasser als andere, weil du dich für die armen Twilight-Fans einsetzt.
Klar kann man seine Meinung begründen und die Fehler in den zu behandelnden Dingen aufdecken beziehungsweise ihre Stärken hervorheben - das ist übrigens dann eine legitimierte Meinung, die genauso viel gilt wie jede andere legitimierte Meinung -, aber der einfache Fakt, eine bestimmte Meinung zu haben, macht mich nicht zum besseren Menschen. Wie gesagt macht uns unser Kollektiv an Meinungen zu dem, was wir sind, und tragen zur unserer Identität bei. Wir können stolz darauf sein, Meinungen zu besitzen, aber wir dürfen keinen übertrieben Stolz für bestimmte Meinungen empfinden.

Apropos Mut zur Meinung: Es muss aufhören, dass Menschen Angst davor haben, ihre Meinung kund zu tun, und dass ab und an doch wirklich Mut dazu gehört, sich für irgendwas auszusprechen.
Ganz spezifisch denke ich da an Sexualität.

Sexualität an sich ist ja schon kompliziert genug. Das binäre Geschlecht (also das man entweder ein Mann oder eine Frau ist) kann in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr so wirklich verwendet werden. Was man zwischen den Beinen findet ist nicht ausschlaggebend!
Man kann sich als Mensch entweder als Frau oder als Mann identifizieren, unabhängig davon, welches biologische Geschlecht hat man hat. Auch der Grad der Identifikation mit einem Geschlecht kann variieren. Beispielsweise seh ich mich eindeutig als Mann, wobei ich aber auch weiß, dass ich ein paar ziemlich weibliche Eigenschaften an mir habe. Das gehört eben zu dem, was ich bin.
Obendrauf kommt noch die sexuelle Orientierung - egal ob man heterosexuell, bisexuell, asexuell (keine Sexulität), heterosexuell aber mit Experimentierfreudigkeit ist, alles hat die gleiche Legitimation in unserer Gesellschaft.
Um wieder zurückzukommen: Es darf nicht sein, dass Menschen sich wegen ihrer Sexualität schämen oder verstecken müssen - genauso wie bei den Meinungen zu irgendwas -, denn alles ist moralisch gesehen genau gleichwertig mit anderem. Keiner hat das Recht, sich höher als andere zu stellen, nur weil sie bestimmte Ansichten vertreten, solange diese moralisch legitim sind.



- Dan out



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