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Urheberunrecht

Wie schön es doch ist, dass wir als Menschheit wenigstens ein paar Sachen haben, wo wir uns einigermaßen einig sind. Es gibt etliche Filme, Musikstücke, Kunstwerke oder Videospiele, deren allgemein der Ruf anhängt, dass sie Meilensteine, Latten-Hoch-Setzter und alles in allem revolutionär waren oder einen extrem großen Einfluss auf unsere Kultur hatten. Nebenbei haben die auch echt viel Geld eingespielt.

Damit diese Meisterwerke nicht einfach hirnlos kopiert werden, gibt es das Urheberrecht, beziehungsweise das Copyright.
Flach gesagt sollen diese verhindern, dass jemand von deinen kreativen und gut-durchtdachten Werken profitiert. Du (oder die Menschen, denen du das Recht gibst, deine Werke zu verwalten) allein bekommen das Geld, dass andere Menschen bezahlen, um deine Machenschaften zu genießen.
Ist ja alles schön und gut. Ausser überhaupt nicht. Den wie Urheberrechte und sonstige "Schutzmechanismen" heutzutage wirken, hilft es den Falschen und verhindert weiteren kulturellen Wachstum.

Ja, klar, Urheberrecht soll helfen, Kreativität zu fördern. Der Urheber eines Werkes soll an das Geld kommen, dass er verdient, und es soll irgendwie sichergestellt werden, dass er überhaupt für seine Kreativität belohnt wird (vorausgesetzt, es war wirklich kreativ).
Aber welchen Sinn hat es, noch 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers ein Urheberecht zu erzwingen? Der Künstler ist doch schon längst tot. Von der Erde geschieden. Hat den Löffel abgegeben. Tot ist der Zustand, wo man nicht mehr kreativ sein kann. Weil man tot ist. Also wie profitiert der Künstler davon? Gar nicht, der eigentliche Profiteur sind nämlich die großen Konzerne, unter deren Fuchtel die dahingeschiedenen Künstler einst standen. Durch das Copyright auch bis 70 Jahre nach dem Tod versichert nämlich, dass die Konzerne immer noch fleißig an den Rechten von verschiedenen Werken verdienen, auch wenn der Künstler schon längst von der Bildfläche verschwunden ist. Der Medienriese Disney konnte seine Stellung nur dadurch bewahren, dass eben jene Gesetze zu dem Urheberrecht durchgeknüppelt wurden, die sowas erst ermöglichen. Nebenbei, (Walt) Disney hat sich in den 40ern an Werken bedient, auf denen KEIN Urheberrecht mehr lag. Ohne diese Werke (wie zum Beispiel "Das Junglebuch" oder "Tarzan" oder "Die kleine Meerjungfrau") hätte Disney niemals solchen Erfolg errungen. Anderen Künstlern wird jetzt verwehrt, auf die selben Geschichten zurückzugreifen, da das Urheberrecht bei Disney liegt. Man kann sich dann zwar damit verteidigen, sich an den alten Büchern orientiert zu haben, aber ob man damit im Gericht durchkommt ist zweifelhaft.

Wo wir schon bei großen Rechteverwerten wie Disney sind:
Es ist echt traurig, wer wie viel an den Werken eigentlich verdient. Die eigentlichen Erschaffer verdienen meist nur einen Bruchstück des Preises, zu dem ein Werk verkauft wird. Und rechtlich ist der Künstler auch noch gebunden und kann sich da nicht großartig wehren, da er bereits einen Vertrag abgeschlossen hat.

Weiter zu dem, wie uns Urheberrecht im alltäglichem Leben begegnet und auch behindert:

Datenträger wie DVDs, CDs oder Blu-Rays sind durch technische Kopierschutzmaßnahmen geschützt, dass heißt es wird uns erschwert, die Daten zu kopieren. Meistens läuft das aber eher darauf hinaus, dass man auf diese Datenträger nicht zugreifen kann. Blu-Ray-Player sind veraltet, Musik-Abspiel-Software erkennt die Verschlüsselung nicht und so weiter und so fort. Ökonomisch betrachtet machen Unternehmen mit Kopierschutz sogar meistens Verluste, da die technischen Fehler ja irgendwie behoben werden müssen, und das kostet Geld, genauso wie ein Support-Dienst eben nur für diesen Kopierschutz eingerichtet werden muss. Nur damit wir nicht kopieren können.

Musik, Filme und so weiter haben großen kulturellen Einfluss, worauf ich bereits anfangs hingewiesen habe.
Kultur geht jeden was an, da es ja hier auch gewissermaßen um Bildung geht, aber eher um das gemeinsame Leben mit anderen. Wenn man nicht an der selben Kultur teil hat wie Andere, dann fehlen gemeinsame Bezugspunkte, und das ist echt nervig. Also ist es meiner Meinung nach nur fair, alle Werke für private Zwecke kostenlos zur Verfügung zu stellen, damit jeder an Kultur teilhaben kann. Das klingt jetzt vielleicht etwas arg radikal, aber wie ich bereits sagte: Kreative Werke haben Einfluss an Kultur, und an Kultur sollte jeder teilhaben können. Und wenn man sich mal umschaut, wie man sich anders finanziert, findet man auch echt gute Modelle. Spotify und YouTube finanzieren sich beispielsweise mit Werbung, wo sichergestellt wird, dass der Künstler für seine Kreativität entlohnt wird. Also haben wir hier kein Problem, was das Geld angeht. Oder doch?
Ich denke einfach, dass große Konzerne wie Sony, BMG, Disney und so weiter Angst haben vor sowas. Blanke Panik.
Denn wenn sie sich gegen wirklich kreative Künstler behaupten müssten, dann würden sie sowas von den Kürzeren ziehen.
Wenn ich irgendwas richtig super finde, dann kaufe ich es mir, sei es ein Film oder eine CD. Aber auch nur, wenn es mich wirklich begeistert und ich finde, dass jemand sehr kreativ war. Alles andere lade ich mir runter, schau ich mir auf YouTube an oder finde ich auf Spotify.
Und hier ist der Knackpunkt:
Große Konzerne verdienen momentan einfach so enorm viel, weil sie präsent sind und sich Werbung leisten können. Der große Mainstream sieht dann meist nur deren Produkte. Und da die meisten Konsumenten nicht so technisch visiert sind beziehungsweise Angst vor Abmahnung haben, die Internet-Piraterie mit sich bringt, kaufen sie überteuerte Medien. Meistens nichtmal das. E-Books und iTunes sind momentan sehr wichtig bei dem Erwerb von Medien. Aber dort erwirbt man nichtmal wirklich Medien, sondern nur das Recht, irgendwelche Medien konsumieren zu dürfen. Das heißt im Klartext, dass wenn ich ein Buch scheiße finde, kann ich das zurückgeben, aber bei einem E-Book hab ich die Arschkarte gezogen. Wenn zumindest der Preis nicht extrem hoch wäre, wäre das ja kein Problem. Die Spieleschmiede Valve löst das sehr elegant mit ihrer Plattform Steam, auf der Spiele für lächerliche Preise erworben werden können.
Aber ich schweife ab!
Wenn echte Kreativität gefragt ist, können sich die Auto-Tune-geplagten Geister der Konzerne nicht beteiligen. Für sie ist es nur wichtig, dass am Ende der Rubel rollt, was ja momentan durch das Urheberrecht zu gut funktioniert.

Ich meine, was ist das bitte? Es können tausende Songs, die in den Charts waren, auf vielleicht 4 Akkorde gestutzt werden. Ist das wirklich noch kreativ, wenn alle Songs nach ein und dem selben Schema aufgebaut werden?
Natürlich gibt es auch gute Gegenbeispiele, dass Chartssongs kreativ sein können. Was ich zum Beispiel sehr geil finde, ist der Ketchup Song. Also eigentlich nicht das Lied an sich. Aber wenn man sich mal den Refrain genauer anhört oder anschaut, merkt man, dass es eigentlich kein Text ist, sondern nur unverständliches Gebrabbel. Aber hört man zweimal hin, merkt man, dass es eigentlich blos der Text des Raps "Rapper's Delight" von der Sugar Hill Gang ist, nur eben lautmalerisch. Es ist zwar geklaut, aber doch lustig! Und ist das nicht irgendwo kreativ?
Leider kommt halt nicht nur lustiges oder wirklich kreatives Zeug bei rum.
Ich meine zum Beispiel so Sachen wie die Twilight-Serie (zumindest die Filme, über die Bücher kann ich aufgrund Nicht-Kenntniss nicht urteilen) bei rum. Blanke, lieblos geschriebene Charaktere, unglaubwürdige Schauspieler, lächerlicher Plot. Aber trotzdem bringt es viel Geld ein, da durch das Urheberrecht jeder, der irgendwie an dem so heftig vermarktetem Film kommen möchte, irgendwie blechen muss. Wir können uns nicht erstmal ausgiebig dafür informieren und dann entscheiden, ob und wie viel Geld wir geben wollen.



Naja, um alles nochmal zusammenzufassen:

Urheberrecht, wie es heute ist, ist falsch. Wir müssen irgendwas drann ändern, damit die, die es verdient haben, auch an ihr Geld kommen, was ja der eigentliche Sinn der Sache war.

- Dan out





Kommentare

  1. a) Ich mag deinen Blog. Weiter so, sei tapfer, poste fleißig deine Meinung ;)
    b) Jetzt ein bisschen meine Meinung...
    Aufrechterhaltung des Urheberrechts nach seinem Tod ergibt m.E. dann Sinn, wenn die Erben davon profitieren. Hätte ein (kreativer) Sänger statt Songs zu veröffentlichen anderweitig kreativ gearbeitet, z.B. als Architekt, hätten die Kinder vom Erbe etwas; stirbt der gute Vater allerdings nach einer erfolgreichen Gesangskarriere, gehen die Kinder ohne Aufrechtererhaltung des Copyrights leer aus. Da könntest du sicherlich argumentieren, dass die Kinder selbst ja schließlich nichts geleistet haben, aber m.E. sollte hier "fairness" herrschen. Und eigentlich ist auch eine gewisse Originalität gefordert; "schützenswert ist nur, was Ausdruck der innersten Persönlichkeit des Schöpfers ist" (http://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrecht#Erfordernis_der_Originalit.C3.A4t), weshalb meiner Meinung nach auch 80% der "Musik", die einem im Alltag auf den üblicheren Radiosendern vorgedudelt wird an sich nicht schützenswert sein sollte. Das Gleiche gilt m.E. auch für den Großteil der im TV als z.B. "SAT1-Film-Film" (wtf?!) angepriesenen, völlig profillosen und miteinander austauschbaren Fernsehklamotten angepriesen Ausdünstungen miserabelster Film"kunst" oder für die vergleichbar grottigen effektüber- und handlungsunterladenen Hollywood-Exkremente, die zeigen, dass man auch mit viel Geld absolut niveaulose und unsehenswerte Filme drehen kann (siehe "Battleship").

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  2. Die Verlängerung des Urheberrechts nach dem Tod dient auch dem Künstler selbst. Wenn ein Verleger nämlich einen Vertrag mit einem Künstler abschliesst, erhofft er sich nachhaltige Einnahmen davon. Wenn er diese nicht garantiert bekommt, ist der Vertrag einfach weniger Wert und der Anteil des Künstlers verringert sich. Was ist wenn der Künstler plötzlich verstirbt? Dann hat man vielleicht bereits einiges an Geld in ihn gesteckt und man bekommt nichts mehr zurück, weil das Werk frei zur Verfügung steht und das physische Medium nur noch zu Billigstpreisen verkauft werden kann. Stell dir mal vor du hast gerade 50 Mio. $ (eine durchaus realistische Summe) für eine riskante Filmproduktion ausgegeben und kannst nun keinen Cent davon sehen. Würdest du noch das Risiko eingehen weiter solche Projekte zu finanzieren? Die entsprechenden Geldgeber sind ohnehin schon viel zu Risikoscheu, soll man das noch verstärken?
    Man darf auch nicht den Gewinnanteil des Verlegers unterschätzen. Wenn du eine CD kaufst, geht erst einmal ein ernormer Anteil den Staat, den Händler und die Zwischenhändler. Danach bleiben noch etwa 40-50 % über, die durch das Label gehen. Davon geht aber wieder ein ganze Anteil direkt an den Künstler und nocheinmal indirekt durch die GEMA an den Künstler. Das Label hat also etwa noch 25% des Verkauspreises übrig. Davon muss die Vermatktung und eventuell die Produktion der CD abgedeckt werden und am Ende noch Gewinn gemacht werden. In der Medienbranche werden durchaus sehr häufig Verluste gemacht. Das Geschäft ist auch dort hart.
    Auf Steam können sehr geringe Preise geboten werden, weil der ganze physikalische Vertrieb weggenommen wird. Etwa 70% des Verkaufspreises gehen durch den Publisher. Auch so eine Strategie wie die Steam-Deals, wo für geringere Preise mehr Geld gemacht werden kann, funktioniert in der Retail-Struktur einfach nicht.
    Und trotz Steam befinden sich viele der großen Spielepublisher in schweren Kriesen, weil die Produktions- und Marketing kosten einfach viel zu hoch sind und oft sehr ineffizient gewirtschaftet wird. Das gilt auch genauso für die Filmbranche, weshalb so ein Mist wie Battleship auch 200 Mio. $ kosten kann.

    Urheberrecht nach dem Tod auf 70 Jahre finde ich aber auch übertrieben. Eine gute Regelung wäre vielleicht 10 Jahre nach dem Tod, aber eine Mindestlaufzeit des Urheberrechts auf 50 Jahre, also auch wenn der Urheber früh während dieser Zeit stirbt. So sollten eigentlich alle Parteien angemessen bedient sein.

    Zu der Frage nach der Qualität im letzten Abschnitt hättest du vielleicht einen ganz eigen Post aufmachen sollen. Das wirkt irgendwie angehängt.

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