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Vorbilder

Wir Menschen sind ja sehr soziale Kreaturen und tauschen uns unglaublich gerne aus und vergrößern somit unser Wissen. Doch was, wenn Tante Hildegards Weisheit aufhört unendlich zu erscheinen und wir neue Einflüsse brauchen, die uns dabei helfen, unseren Lebensweg zu gestalten? Wer jetzt so clever war und den Titel gelesen hat, der weiß schon Bescheid. Für alle anderen nochmal:
Vorbilder helfen uns da aus dieser misslichen Lage.

Dabei gibt es so viele Menschen, die wir uns als Vorbild nehmen können. Und dann noch so viele einzelne Aspekte, die wir uns rausnehmen können und uns somit irgendwie zu einem Frankenstein-Monster der Werte und Vorlieben machen, herrjemine!
Ich erlaube mir mal, drei grundsätzliche Kategorien von Vorbildern zu unterscheiden.

Da hätten wir zunächst die Sorte, die aus Menschen besteht, die anscheinend fehlerlos sind und als genereller Maßstab der Menschlichkeit dienen. Solche Menschen wie Gandhi. Oder Mutter Theresa. Oder Jesus. Oder eben solche Menschen, denen der Altruismus aus jeglicher Pore trieft, sodass man sich gleich viel egoistischer fühlt, wenn man auch nur an diese Personen denkt.
Sagen Sie jetzt mal was gegen diese Sorte von Vorbildern! Ach was, können Sie gar nicht. Da wird man gleich als Unmensch abgestempelt, als Nazi, als FDP-Wähler, keine Ahnung! Aber herrgottnochmal! Was soll man auch über solche Menschen schlechtes sagen? Ich meine, wenn man im Duden "Gütigkeit" oder "Menschlichkeit" nachschlägt, dann findet man sicherlich kein Bild von diesen Personen neben den Defintionen. So funktionieren Duden schließlich nicht. Aber man denkt sich bestimmt "Hm, joah. Passt zu denen.". Wie gesagt, Maßstab und so.
Aber irgendwie scheinen sich nur Durchschnittsmenschen diese Kategorie auszusuchen, wenn sie von ihren ernst gemeinten Vorbildern sprechen. Vielleicht ist es einfach die naive Einstellung solcher Frohmenschen, die sie ja wirklich glauben lässt, diesen gottgleichen Status an Moralität zu erreichen. Oder vielleicht sind sie einfach nur zu faul und ängstlich, vom Standard abzuweichen. Keine Ahnung.

Die nächste Kategorie beinhaltet solche Menschen, die nur Wahnsinnige oder wahrlich diabolische Menschen als echtes Vorbild nehmen würden. Diese "Vorbilder", wenn man sie denn so nennen darf, haben absolut keine moralische Legitimation, sind meistens selbst Psychopathen und fügen der Menschheit beträchtliche Schäden mit ihrer Böswilligkeit zu. Also das komplette Gegenteil der ersten Kategorie. Beispiele sind leicht zu finden, meist in der Form von Diktatoren oder sonstigen Unmenschen, wie beispielsweise Hitler, Stalin oder Justin Bieber.
Dabei ist es doch faszinierend, wie solche Menschen doch Erfolg haben mit dem, was sie sich so ausdenken. Sie haben massive Gefolgschaften, die von der Ideologie ihrer Vorbilder komplett überzeugt sind. Für manche scheint es heutzutage unvorstellbar, wie Massen sich so beeinflussen lassen haben, doch gibt es genug Verschwörungstheoretiker, die vor neuen Menschen dieser Sorte warnen.

Aber kommen wir mal zur wichtigsten Sorte Vorbilder: Die, die sowohl gute Seiten als auch schlechte Seiten haben. Halt normale Menschen. Es gibt Tausende, denen wir nacheifern können, wobei wir immer in der Diskussion (vorallem mit uns selbst!) stehen müssen, ob es denn richtig ist, sich ein Beispiel an ihnen zu nehmen. Die meisten Menschen nehmen solche, die generell auf der sicheren Seite sind - Sportler, Pop-Sternchen, Buchautoren.
Aber ich persönlich habe ja sehr große Probleme damit. Mir sind die meisten Menschen einfach viel zu langweilig, als das ich denen nacheifern will. Dafür ist mir mein Leben zu schade.

Also suche ich nach der Extravaganz, die mir wirklich hilft, mein Leben spannend zu gestalten. Auch wenn man mich dann für verrückt hält.
So schaue ich möglichst nach obskuren Persönlickeiten, oder solchen, die absolut nicht zu dem Leben passe, dass ich momentan führe.
Ein Beispiel ist Macho Mann Randy Savage - ein Pro-Wrestler der späten 80er und frühen 90er. Ich passte meine Sprachrhythmik an, indem ich mir mehrere Stunden lang Interviews auf YouTube anschaute und mir seine recht überschaubare Liste von Moves aneignete. Ich ging also so durch die Straßen und murmelte vor mich hin, meist über Slim Jims oder über meine fiktionalen Rivalen. Wenn man mich ansprach, ob ich denn Hilfe bräuchte, riss ich aus meinem Monolog und brüllte aus voller Lunge ein "UH YEAH!", zeigte meine recht untertrainierte Arme und verzog mich in die Dunkelheit der Nacht. Das zog ich dann durch, bis ich heiser wurde und dann keinen Bock mehr hatte, Wrestler zu sein. Da ich schon spürte, wie mein Hirn anfing zu schimmeln, suchte ich mir was neues.
Ich brauchte etwas Intellektuelles, etwas, was meine Seele zum weinen brachte (aber auch nicht zu sehr, ich bin ja schließlich keine Memme, die über seine Gefühle dichtet, über den Wind und die Sonne, und vielleicht auch über die Liebe, und das würde dann in einem Studentenkurzfilm in Schwarzweiß aufgegriffen werden und auf YouTube genau 259 Likes bekommen und - ich schweife ab). Also kaufte ich mir kiloweise Poetry-Slam-Sammlungen. Ja, genau, das ist fordernd, bissig, kreativ und total intelligent. Ich fing dann auch an, eine Baskenmütze zu tragen, Zigarren zu paffen und Bands wie Neutral Milk Hotel zu hören. Ich war richtig intellektuell, wie meine Poetry-Slam-Vorbilder-Menschen. Dazu kamen natürlich mein Hass auf die Regierung und sowieso alle Menschen, die nicht meiner Meinung waren und somit auch mein Selbsthass, da ich ja im ständigem Diskurs mit mir stand, denn nur aus Leid entsteht Kunst. Mich fragte man, ob ich ein Musiker sei, oder Texte schrieb, worauf ich meinen Ziegenbart zwirbelte und in einem nasalem Ton antwortete "Liebe Leute, gut Ding will Weile haben - das hat schön Goethe gesagt. Oder Kafka. Einer von den beiden. Kennt ihr bestimmt nicht, total Underground.".
Aber langsam wurde ich selbst ungeduldig, wollte den Ruhm der anderen Künstler, wollte selbst Vorbild sein, worauf ich mich an meinen kleinen Netbook mit Ubuntu-Betriebssystem setzte und ein OpenOffice-Dokument öffnete. Dann fiel mir ein, dass ich keine Ahnung hab, wie man eigentlich künstlerische Texte schreibt und habe mich doch dazu entschieden, mir einfach Gandhi als Vorbild zu nehmen.

Yay.


- Dan out.

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