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Waffeleisen

Ich will gerne ein Waffeleisen sein.
Waffeleisen haben einfache Leben. Sie stehen fast nur in irgendwelchen schattigen, modrigen Schränken rum und werden nur selten rausgeholt, um mal Waffeln zu machen. Dafür müssen sie ja nur auf und zugehen. Und zwischendurch mal heiß werden.
Aber dieses Leben ist mir nicht gegönnt - man erwartet vieles von mir. Ich kann nicht einfach nur rumliegen, mein Kuchenloch ab und an öffnen, nein, dieses Leben soll ich nicht leben. Aber heiß bin ich, ab und an. Immerhin.
Nein, von mir fordert man Sachen. Ich muss morgens aufstehen und irgendwie mein Leben meistern, so mehr oder weniger. Dabei laufe ich ja fast den ganzen Tag durch die Gegend, fast wie normale Menschen! Ich bin doch nur Autor, und dazu noch Student! Eigentlich sollte ich eine symbiotische Beziehung zu meinem Bett führen, aber nein, ich soll was nützliches machen, irgendetwas handfestes. Doch wäre das meine Bestimmung gewesen, so hätte ich nicht zwei linke Hände. Das einzige was ich hämmere ist meine Tastatur (und wer hier ein schlüpfriges Wortspiel erwartet hat, der soll sich schämen, so unkreativ bin ich nicht)! Ich bin zwar nicht komplett unfähig was Handwerk angeht, doch ist es sicherlich nicht etwas, womit ich mir mein Brot verdienen will - das endet doch eh nur damit, dass ich mir die Zähne ausschlage und auf Suppe umsteigen muss.

Ich will wirklich gerne ein Waffeleisen sein.
Die müssen ja nicht viel machen, um Menschen glücklich zu machen. Auf machen, Teig rein, zu machen, heiß machen, auf machen, Teig raus, lecker. Ganz einfach.
Von einem Menschen wird natürlich mehr erwartet. Diese sollen komplexe moralische Herausforderungen meistern, sei es Politik, Wirtschaft, der lokale Klatsch oder anderen Mist. Man soll sich ein Leben aufbauen und da auch noch selbst entscheiden, was man überhaupt will! Doch es gibt so viele Möglichkeiten! Ich bin ja schon überfordert, wenn ich bei McDonalds bestellen soll. Die riesige Auswahl an Fett, Zucker und fraghaften Gewerkspraktiken überwältigt einen doch jedes Mal - dabei will ich doch nur Waffeln.
Und dann soll man sich ja sozial noch geschickt anstellen, damit auch alles in der Umgebung möglichst zufrieden ist - sonst hört man ja, was man falsch macht. Klar habe ich ja auch Grenzen, was so in meinen natürlichen Moralvorstellungen vertretbar ist, doch ist es ja unmöglich, immer perfekt zu handeln. So funktioniert das Leben eben nicht. Noch schwerer wird es, wenn man nicht einmal weiß, was einen selbst glücklich macht. Nur Waffeln machen einen Menschen ja nicht zufrieden mit sich und seiner Welt.

Da würde ich echt gerne ein Waffeleisen sein.
Das wäre ein fantastisches Leben. Naja, Leben kann man es nicht nennen. Zumindest ist es eine Existenz, die jeder so akzeptiert, wie sie ist.
Ich versuche ja auch nur, mit meinem Geschreibe meine liebstes Publikum (damit seid ihr gemeint, yay!) zu belustigen oder sowas.
Aber ist das genug? Keine Ahnung. Macht es Spaß? Klar doch. Aber ein einfacheres Leben wäre auch nicht schlecht. Dann müsste man sich ja nicht um den ganzen Zukunftsscheiß kümmern. Ein Waffeleisen wird immer Zukunft haben - oder meint ihr, dass in hundert Jahren keiner mehr Waffeln essen wird?
Welch lächerlicher Gedanke.

Mist. Jetzt will ich Waffeln.


- Dan out



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