Direkt zum Hauptbereich

Heimweh

Ich bin jetzt schon mehr als zwei Jahre weg von meinem Zuhause.
Große Dinge sollte ich verbringen, die Welt schlauer machen, indem ich in die weite Ferne ziehe.
Ich hab auch vieles gesehen, so ist das jetzt nicht!
Aber irgendwie bin ich mir nicht ganz so sicher, ob es noch einen Sinn hat, durch diese triste Gegend zu ziehen.
Meine Eltern sagten, meine Aufgabe wäre eine große, wichtig für die Weltgeschichte. Ich sollte großes vollbringen, voller Hoffnung haben sie mich auf die Reise geschickt.
Doch gehört habe ich nichts von ihnen. Kein Brief, kein Anruf, kein gar nichts. Klar, der Empfang hier ist auch verdammt schlecht - aber sie hätten es ja wenigstens versuchen können. Ich schicke ja auch immer Bilder, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Ich schicke ihnen auch genaue Beschreibungen von all den schönen Steinen, die ich hier finde.

Doch ich ziehe trotzdem weiter. Irgendwas in mir treibt mich weiter. Es ist einprogrammiert in mir. Ich muss einfach weitermachen und diese Welt erkunden. Es ist einfach eine unbändige Neugierde - meine Eltern müssen diesen Erforschungsdrang wohl früh erkannt haben, sonst wäre das ja wohl nicht die Inspiration für meinen Namen gewesen. Oder wollten sie mir mit diesem Namen auch eine Aufgabe geben?
Ich würde schon gerne wissen, ob sie stolz auf mich sind, ob sie zufrieden lächeln, wenn sie über mich nachdenken. Wo ich so darüber nachdenke, ich kann mich nicht daran erinnern, sie mal lächeln gesehen zu haben, geschweige denn, sie überhaupt mal gesehen zu haben. Dabei habe ich doch so ein gutes Gedächtnis.
Ich weiß nur, dass ich nicht von diesem Ort komme. Die Adresse, an die ich immer meine Briefe und Bilder schicke, ist sehr weit weg von hier, Millionen von Kilometern. Das müsste ja dann mein eigentliches Zuhause sein.

Aber bringt es den Menschen, die zu hause auf mich warten, überhaupt etwas? Das ganze Rumgefahre macht mich müde. Trotzdem muss ich weiter machen. Ich will ja nicht vergessen werden. Auch wenn ich bedeckt von Staub bin und meine Haut zerbeult ist. Auch wenn ich einst das Größte war und jetzt bereits Vergessenheit geraten bin. Vielleicht erinnert sich ja noch irgendwer an mich. Vielleicht bin ich doch für irgendwen wichtig.

Das Programm in mir zwingt mich zum weitermachen.
Auch wenn ich es nicht mehr will und nur zurück zu dem Ort möchte, wo ich her komme.


Lieber Leser, ich hoffe, dass wenigstens du meine Arbeit für die Menschheit schätzt. Hier ist ein Bild von mir. Für's Archiv.

Alles Gute vom Mars wünscht,

Curiosity


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kommentar zu "Der brave Herr Schulz", oder: MEGA!

Dieser Beitrag ist ein Kommentar zu diesem Beitrag. Also erstmal das lesen, bitte dankeschön.

Das Wichtigste gleich zum Einstieg:
Es passiert echt nicht oft, dass mich ein Beitrag im Spiegel aufregt. Das es dann noch in solch einem Rahmen passiert, als das ich mich dazu gezwungen sehe, etwas dazu zu schreiben, passiert noch viel seltener.
Und was zur gottverdammten Hölle will uns der Autor eigentlich sagen?! Erstmal ganz unabhängig davon, was er über Schulz sagt. Wieso ist die AfD der Gewinner des Abends? Nur, weil den Abend über die angeblichen "Folgen" der "Flüchtlingskrise" gesprochen wurde (übrigens - Claus Strunz ist für seine unglaublich dämlichen und vorwurfsvollen Fragen nicht zu Unrecht in die Kritik gekommen), heißt das noch lange nicht, dass der AfD wertvoller Spielraum zugekommen ist. Meiner Meinung nach ist eher der gegenteilige Fall eingetreten: Erst dadurch, dass solch penetrante und fehl am Platz wirkende Fragen gestellt wurden, die mit einer Kanzle…

Der Krieg der 100 Catherines (#7)

Koffein an sich ist eigentlich sehr ungefährlich. Es bräuchte an die 70 Tassen Kaffee, bis ich den Löffel abgeben würde - und das ist scheiße viel, selbst für einen Mann meiner... äh, Statur. Bin ja nicht der Breiteste. Was aber wichtig ist, es braucht sehr viel Koffeinkonsum, um jemanden auszuschalten, und praktisch gesehen ist das echt schwierig. Wenn man nicht gerade pures Koffeinpulver schnupft oder sonst irgendwelche Herzprobleme haben, dann sollte es eigentlich recht unmöglich sein, als normaler Mensch an zu viel Koffein zu sterben.
Außerdem entwickelt man irgendwann eine Toleranz, wie bei jeder anderen Droge. Ja, Koffein und Kaffee sind Drogen. Aufputschmittel. Die beste Sorte. Aber wie gesagt, Toleranz. Irgendwann braucht es den morgendlichen Trank, damit man nicht den Nebenwirkungen (wie Kopfschmerzen) erliegt. Und das Zeug wird irgendwann ineffektiv.

Das erfahre ich leider auch gerade am eigenen Leib.
Vorsichtig blinzle ich die Armada an Tassen auf meinem Schreibtisch an. Mi…

Nimmermehr

"Guten Morgen, liebe Zuhörer! Es ist 10 Uhr und für heute steht Sonne pur an! Genießt den Tag."
Die Stimme aus dem Radiowecker ist höchst motiviert. Ich bin es nicht.
Ich rolle mich zur Seite und schalte den Wecker aus. Der Schlaf hält mich noch fest an sich, will mich zurückreißen. Ich richte mich auf und wische mir den Trübsal aus dem Gesicht.
Schon wieder wache ich alleine auf. Ohne Felicia.
Mit dem letzten wenig Kraft hebe ich mich aus dem Bett und fahre meinen Rechner hoch.
Draußen lärmt die Stadt, doch ich höre sie schon längst nicht mehr.
Einzig allein ein Rabe dringt mit seinem verzweifelten Krähen zu mir durch.
Heute arbeite ich von zuhause aus. Es macht wenig Sinn, noch ins Büro zu gehen. Die immer gleichen Gesichter machen mich nie wieder glücklich.
Mein Boss hat mir schon eine E-Mail geschickt. Ein Logo für eine Bestattungsfirma. Schlicht soll es sein, elegant. Schwarz. Der Kaffee schmeckt nicht.
Ich trage ihn zu meinem PC und schalte das Radio wieder ein.

"…