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Über Zuneigung

Zuneigung ist eine ganz komische Sache.

So wie ich das verstanden habe, sollte das aber eigentlich total einfach sein.
Person A mag Person B, Person B mag Person A, beide haben sich lieb, bumstralala, fertig ist die Kiste.

Aber so einfach ist das auch nicht gegessen, leider.

Erstmal haben wir die verschiedenen Abstufungen der Zuneigung.
Mal mag man wen weniger, mal mehr, mal absolut gar nicht, mal viel zu gerne.
Ist ja an sich kein Problem. Wir Menschen sind ja so herrlich kompliziert, mit all unseren großen und kleinen Fehlern, da kann man eine Mischung an Eigenschaften an einem Menschen toll finden, eine ähnliche Mischung an anderen Menschen aber total ekelhaft (kennt man möglicherweise als das "Meine-Freunde-sind-Idioten"-Syndrom).
Und dann ändert sich ja noch der Grad der Zuneigung über den Verlauf einer Beziehung.
Gerade bei solchen Änderungen, aber auch allgemein, kann es natürlich vorkommen, dass Person A eine Person B sehr gern hat, aber Person B mag Person A nur ein bisschen. Kein Weltuntergang, eigentlich, man spricht sich aus und dann ist alles wieder gut. Eigentlich.

Man versucht ja möglichst, jeder unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen, und da kann es leicht passieren, dass genau solche Fragen einfach umtanzt werden, damit man bloß keine Enttäuschung erfährt.
Wenn man den in einer freundschaftlichen Beziehung steht, kann man ja gewisse Dinge erwarten, je nach dem, wie gut eben jene Freundschaft steht - ist aber einem der beiden Involvierten nicht klar, wie gut diese Beziehung steht, dann entsteht ein wunderbar grauenhaftes Feuerwerk an peinlichen Aktionen.
Angefangen vom "Geb-ich-dir-jetzt-die-Hand-oder-umarme-ich-dich"-Tanz, über "Du-winkst-nicht-mir-sondern-dem-Menschen-hinter-mir"-Gesichtsausdruck zum "Ich-hab-dir-gesagt-ich-will-nicht-ins-Kino-aber-gehe-trotzdem-und-treffe-dich-da"-Blick. Da könnte man glatt eine Serie drüber machen, so viele Sachen gibt es, die sind einfach nur awkward.
Wenn dann einer der Teilnehmer diese Situation wider erwarten anspricht und damit die verschiedenen Grade der Zuneigung deutlich macht, fühlt sich der Andere sofort persönlich angegriffen, egal ob er jetzt mehr oder weniger von der ersten Person erwartet hat.
Sofort tut es irgendwo weh, wenn man merkt, dass jemand anders einen nicht so gern hat wie man selbst. Und sofort fühlt man sich schlecht, wenn jemand mehr für einen tut, als man bereit ist für diese Person zu machen. Fühlt sich an, als hätte man einen geheimen Vertrag gebrochen.
Versteh ich nicht. So ist es eben manchmal. Wie gesagt, Menschen sind kompliziert und so. Und auch verständlich, dass man sich dann doof fühlt. Aber da hat ja keiner dran Schuld!

Auch sehr faszinierend ist es, dass auch Menschen ständig ihre Zuneigung beweisen, die es eigentlich sicher haben. Die Rede ist von Beziehungen (oder solche Dinger, die fast Beziehungen sind, no homo). Man weiß ja eigentlich, dass der Gegenüber einen sehr gern hat - sonst würde man ja nicht so viel Zeit miteinander verbringen wollen. Aber doch hat man Angst, dass man nacher der ist, der mehr in die Beziehung steckt, und dann die unendliche Liebe nicht erwidert bekommt, die man aus sich gibt, weswegen man immer erstmal auf die Signale des Anderen wartet, um nicht in peinliche Fettnäpfchen zu treten. Und jetzt kommt mir nicht mit euren total gesunden Beziehungen, in der die gegenseitige Liebe sicher ist - selbst bei den schnulzigsten Seelenverwandten gibt es Momente, in denen man sich nicht sicher ist, ob man geliebt wird oder nicht. Das ist menschlich. Gerade wenn man sich selbst nicht für so liebenswert hält, kann das aber ein großes Problem sein. Es passiert schnell, dass man aus dem Bedürfnis der Sicherheit in ein verhalten rutscht, dass nacher nur beiden Partnern schadet: Man wird zu anhänglich, fordert zu viel, erdrückt den Anderen mit seiner Liebe, wird eifersüchtig wenn einem anderem mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, yadda yadda.
Und das ist irgendwie scheiße. Dabei will man sich bloß gegenseitig gern haben.

Vor allem ist es schlimm, wenn sowas aus dem Gefühl heraus wächst, nicht gut genug für den Anderen zu sein. Dabei würde es gar nicht erst zu solchen Gedanken kommen, wenn es nicht schon von vorne rein gegenseitige Zuneigung geben würde. Aber nein, es soll ja bloß alles kompliziert sein.

Aber es ist dann doch irgendwie beruhigend, dass einem doch verziehen wird, selbst wenn man dumme Sachen gemacht hat.


- Dan out

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