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Alter-Sack-Fresse


Hi. Ich bin 19. Ja, 19. Ja, ich sehe alt aus. Ich weiß. Ist 'ne riesen Bürde.
Wie manche Menschen ein Baby-Gesicht haben, habe ich eine Alter-Sack-Fresse.
Lustige Anekdote, ich war vor 3 Jahren auf dem Kalldorfer Karneval unterwegs.
Dort war ich mit ein paar meiner etwa gleich alten Freunde unterwegs, und plötzlich wurden wir von zwei recht gut angetrunkenen Herren angehalten, die uns gemustert haben.
Nach ein paar prüfenden Blicken fängt der Eine der Beiden an zu stammeln.
Ey! Ihr da! Ihr seht so alle 16 oder 17 aus!“
Der Zweite stimmt mit ein, zeigt auf eine Freundin „Joah, die ist bestimmt so 16!“.
Auf einmal kriegt der Andere einen Blick der Erkenntnis, glotzt mich mit riesigen Augen an, streckt seine Hand in meine Richtung und stammelt „DER IST 23! DER HAT EINEN BART!“

Klar hat das seine Vorteile, wenn man älter aussieht, als man ist.
Ich musste beim Kauf von Alkohol noch nie meinen Ausweis zeigen, und wer mich nicht kennt, hat ziemlichen Respekt vor mir. So sieht mein nervöses Bart kratzen bei anderen aus wie eine Denkerpose, ein anmutiger Denkvorgang.

Aber nein, mein Gesicht passt einfach nicht zu mir. Ich sehe aus wie ein Holzfäller, jemand der als Freizeitbeschäftigung Bären-Wrestling, Whiskey trinken und Pfeife rauchen IN DIESER Reihenfolge aufzählt. Jemand, der von Seifenopern Brechreiz bekommt und bei Rambo Tränen der Freude weinen würde, wenn Tränen nicht so unmännlich wären. Dabei bin ich vom Charakter eher so eine Art tanzende Waldfee.
Gut, mit dieser Dissonanz komme ich schon klar, ich bezeichne mich selbst jetzt als Wiedergeburt eines riesengroßen Teddybären, und damit komm ich ganz gut zurecht.

Jetzt denkt ihr euch bestimmt „Mensch, Daniel wenn dich dein Gesicht so stört, wieso rasierst du dich nicht einfach? Davon siehst du bestimmt viel jünger aus!“
Wow. Ehrlich? Ich bin da nicht selbst drauf gekommen! Klar, ich mach das einzige weg, was meinem Gesicht wenigstens etwas Form gibt! Vielleicht kann ich dann als Bowlingkugel zu Karneval gehen!
Nein, der Bart kommt nicht weg, niemals. Er ist Teil von mir geworden. Manchmal hab ich das Gefühl, er wäre angewachsen. Und rasieren bringt da auch nichts. Einmal zack, zack, schön glatt rasiert, guck ich nach dem Gesicht waschen in den Spiegel, ist das ganze Schlamassel wieder da.

Eigentlich komme ich damit ja super klar. Nur manchmal gibt es eben Tage, wo mich das dann doch stört.

So einen Tag hatte ich vor kurzem. Direkt als ich meinen Tag beginnen wollte und ich der Sonne an diesem kalten Wintermorgen entgegenstrahlen wollte, hat es schon angefangen. Jedes einzelne Gelenk in meinem Körper gab ein Geräusch von sich – so knackig fühlte ich mich schon lange nicht mehr.
Nachdem ich die erste Morgentrunkenheit bewältigt habe und mich in meinem Zimmer orientieren konnte, bin ich ins Bad geschlendert. Ich hab ganz ehrlich erwartet, dass ich im Spiegel einen strahlenden, aufgeweckten jungen Studenten sehe. Doch entgegen glotzt mir ein Mann mitte dreißig, dessen Augenringe schon Augenringe haben.
Naja, hab mich dann bereit für den Tag gemacht, und dick eingepackt. Hab dann ausgesehen wie ein russischer Tarnpanzer, aber hey, ich will ja nicht frieren.
Auf dem Weg zur Universität haben die Leute, die auf der selben Seite der Straße unterwegs entweder die Seite komplett gewechselt oder sind auf einmal schneller gelaufen, als wir aneinander vobeigelaufen sind. Ich kann jetzt echt nicht festmachen, ob es daran liegt, dass mein neutrales Gesicht ungefähr dem eines Nazgul aus Herr der Ringe gleicht, oder daran, dass ich aus einiger Entfernung aussah wie ein lebendiger Ikeaschrank.
Jedenfalls komme ich dann im Hörsaal an, und weil ich ziemlich faul bin, setzte ich mich an den äußeren Rand der Sitze.
So wie es kommen musste kam dann auch eine Komillitonin, die mindestens 3 Jahre älter als ich sein muss, und spricht mich mit „Könnten Sie vielleicht aufstehen? Ich möchte hier durch. Wenn es keine Probleme“
Ich war leicht verwundert, dass sie mich gesietzt hat, hab mir dabei erstmal nichts gedacht. Stutzig wurde ich dann, als sie den nächsten Mitstudenten ansprach „Ey Mann! Geh mir aus dem Weg!“.


Nach einem erfolgreichem Tag in der Universität bin ich dann zu meiner Uroma gefahren, die seit kurzem in einem Altersheim lebt.
Ich weiß ja nicht, wie das normalerweise so ist, wenn die Uroma einen begrüßt – ich denke das sind dann Sätze wie „Ach, schön dich zu sehen!“ oder „Dich habe ich ja auch viel zu lange nicht gesehen“ - aber nein. Meine Uroma fasste mir an die Arme, schaute mir ins Gesicht, und schüttelte den Kopf und sagt nur „Du siehst alt aus.“. Sehr charmant.

Für den Abend habe ich mich mit einer Freundin zum Cocktails trinken verabredet – an sich schon super männlich. So wie ich das immer mache, bevor ich ausgehe, checke ich nochmal, ob meine Haare sitzen und ob ich generell präsentierbar aussehe. Bin ja eitel.
Weil ich gute Laune hatte und es sowieso ein seltenes Ereigniss war, dass ich mit einer Dame ausgehe, hab ich mich etwas feiner angezogen. Ich fand mich geil!
Kurz darauf ist sie dann auch eingetrudelt, sie sah selbst echt gut aus. Nach der Umarmung zur Begrüßung fing sie einfach an zu kichern.
Ich: „Wieso lachst du?“
Sie: „Du siehst alt aus!“
Ich: „Haha, danke, ich hab mich extra für dich rausgeputzt!“
Sie, immernoch am lachen: „Oh, danke Papa! Sehr nett von dir!“
Ich: „Bla. Seh ich denn wenigstens okay aus?“
Sie: „Sogar sehr gut – wenn ich einen Vater-Komplex hätte!“

Auch sehr nett.

Der Rest des Abends verlief aber sonst echt gut ohne irgendwelche Probleme – bis auf die Tatsache, dass wir ein paar komische Blicke in Kauf nehmen mussten.
Das Problem ist, dass mein Date 1,60 groß ist und eher wie 19 aussieht als ich.
So saßen eine junge Dame und ein anscheinend 30jähriger an einem Tisch, haben sehr bunte Cocktails getrunken und über Justin Timberlake geschwärmt.
Anscheinend kein normaler Anblick.
Und weil mir kein gutes Ende für diese Geschichte einfällt, erzähle ich euch noch eine andere kleine Geschichte:

Gestern haben meine Clique und ich versucht, unseren letzten Stuhlgang mit einem Filmtitel zu beschreiben.
Die einzig logische Antwort für mich war:

Das Schicksal ist ein mieser Verräter.

Kommentare

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