Direkt zum Hauptbereich

The Zone

Ich war vor kurzem beim Friseur. Faszinierend, ich weiß, aber es hat schon einen Sinn, dass ich so eine Nichtigkeit erwähne.

Es gibt ja viele verschiedene Arten von Friseuren.
Solche, bei denen man schon sein ganzes Leben ist und immer den selben Schnitt bekommt, der eigentlich recht langweilig ist, einem dann aber doch gutes Geld (plus saftigem Trinkgeld) wert ist,
solche, die für manche Menschen schon einen Therapeuten ersetzen (man redet sich alle Sorgen vom Leib, der Haarschmied hat ja keine andere Möglichkeit als einem zuzuhören, darüber hinaus ist eine Typveränderung beim Friseur recht erschwinglich),
und dann noch solche, für die das Frisieren wahre Kunst ist.

Bei so einem war ich vor kurzem.
Der Mann wusste von seinem Werk Bescheid wie kein Zweiter und hat jedes Haar Teil eines Kunstwerks werden lassen, dass ich jetzt jeden Tag auf meinem Kopf herumtragen werde.
Viel geredet hat er nicht, aber meine Güte, so wie er sich konzentriert hat war das auch kein Wunder.
Und da habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was in diesem Moment passiert ist.
Er war total in seinem Element, in "der Zone", wie ich es mal nennen will.
Kaum ansprechbar, wie in Trance, aber dann doch voll konzentriert (das sieht man sogar, selten so einen guten Haarschnitt bekommen, doch ich schweife ab).

Ich bin natürlich nicht der Erste, der dieses Phänomen entdeckt hat. In der Psychologie nennt man es "Flow". Es beschreibt den Zustand, wo man gerade so sehr gefordert wird, dass es nicht in Überforderung ausartet, aber eben so anstrengend ist, dass es Konzentration erfordert.
Man kann es auch "in etwas aufgehen" nennen, oder (wie ich es eben tat) "in seinem Element sein".
Was mir aber aufgefallen ist: Primär findet man diesen Flow bei jüngeren Menschen, bei Erwachsenen findet man das seltener. Ist auch leider stigmatisiert, teilweise zumindest.
Wenn man einen Musiker oder Künstler bei sehr intensiver Arbeit betrachtet, kann man diesen Flow leicht erkennen - meist zeigt sich das ja körperlich, der Artist ist quasi mit seinem ganzem Körper dabei. Auf manche Menschen wirkt das sogar angsteinflößend.
Aber auch in anderen Situationen kann man sowas erkennen. Jeder von uns hat bestimmt mal einen Freund dabei erwischt, wie er von einem Videospiel oder einem Film so eingesaugt wurde, dass er mit offenem Mund und ausdruckslosem Gesicht einfach auf die Flimmerkiste starte. Spricht man ihn dann an und reißt ihm aus seinem Flow, so reagiert dieser meist beschämt ("Was? Hab ich echt so doof geguckt? Nein, nein, quatsch, blablabla").

Vielleicht kommt das wirklich daher, dass solch ein Trance-Zustand eher bei Kindern akzeptiert wird.
Die müssen ja nicht ständig auf alles achten und können sich einfach total auf eine Sache konzentrieren. Aber vergessen wir Erwachsenen mal für eine Stunde auf das Smartphone zu gucken, werden wir sofort gelyncht. Zumindest verbal. Oder schriftlich.
Wie auch immer - generell sieht man den Flow sehr selten. Außer bei Künstlern, Sportlern und Spielern ist mir sowas eigentlich auch noch nie aufgefallen.

Eigentlich schade. Dabei ist diese Zone, in die man kommt, ein wunderbares Ding - man bewegt sich quasi von selbst, alles passiert instinktiv. Da kriegen dann auch die Menschen ohne Selbstvertrauen ihre Chance keine Angst zu haben. Aber Chancen sowas anderen zu zeigen kriegt man selten.
Doofe Kiste. Vielleicht ist es auch nur der Neid der Anderen. Jap, definitiv Neid.
Was anderes will ich jetzt nicht mehr hören.

Bumstralala.


- Dan out

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kommentar zu "Der brave Herr Schulz", oder: MEGA!

Dieser Beitrag ist ein Kommentar zu diesem Beitrag. Also erstmal das lesen, bitte dankeschön.

Das Wichtigste gleich zum Einstieg:
Es passiert echt nicht oft, dass mich ein Beitrag im Spiegel aufregt. Das es dann noch in solch einem Rahmen passiert, als das ich mich dazu gezwungen sehe, etwas dazu zu schreiben, passiert noch viel seltener.
Und was zur gottverdammten Hölle will uns der Autor eigentlich sagen?! Erstmal ganz unabhängig davon, was er über Schulz sagt. Wieso ist die AfD der Gewinner des Abends? Nur, weil den Abend über die angeblichen "Folgen" der "Flüchtlingskrise" gesprochen wurde (übrigens - Claus Strunz ist für seine unglaublich dämlichen und vorwurfsvollen Fragen nicht zu Unrecht in die Kritik gekommen), heißt das noch lange nicht, dass der AfD wertvoller Spielraum zugekommen ist. Meiner Meinung nach ist eher der gegenteilige Fall eingetreten: Erst dadurch, dass solch penetrante und fehl am Platz wirkende Fragen gestellt wurden, die mit einer Kanzle…

Der Krieg der 100 Catherines (#7)

Koffein an sich ist eigentlich sehr ungefährlich. Es bräuchte an die 70 Tassen Kaffee, bis ich den Löffel abgeben würde - und das ist scheiße viel, selbst für einen Mann meiner... äh, Statur. Bin ja nicht der Breiteste. Was aber wichtig ist, es braucht sehr viel Koffeinkonsum, um jemanden auszuschalten, und praktisch gesehen ist das echt schwierig. Wenn man nicht gerade pures Koffeinpulver schnupft oder sonst irgendwelche Herzprobleme haben, dann sollte es eigentlich recht unmöglich sein, als normaler Mensch an zu viel Koffein zu sterben.
Außerdem entwickelt man irgendwann eine Toleranz, wie bei jeder anderen Droge. Ja, Koffein und Kaffee sind Drogen. Aufputschmittel. Die beste Sorte. Aber wie gesagt, Toleranz. Irgendwann braucht es den morgendlichen Trank, damit man nicht den Nebenwirkungen (wie Kopfschmerzen) erliegt. Und das Zeug wird irgendwann ineffektiv.

Das erfahre ich leider auch gerade am eigenen Leib.
Vorsichtig blinzle ich die Armada an Tassen auf meinem Schreibtisch an. Mi…

Nimmermehr

"Guten Morgen, liebe Zuhörer! Es ist 10 Uhr und für heute steht Sonne pur an! Genießt den Tag."
Die Stimme aus dem Radiowecker ist höchst motiviert. Ich bin es nicht.
Ich rolle mich zur Seite und schalte den Wecker aus. Der Schlaf hält mich noch fest an sich, will mich zurückreißen. Ich richte mich auf und wische mir den Trübsal aus dem Gesicht.
Schon wieder wache ich alleine auf. Ohne Felicia.
Mit dem letzten wenig Kraft hebe ich mich aus dem Bett und fahre meinen Rechner hoch.
Draußen lärmt die Stadt, doch ich höre sie schon längst nicht mehr.
Einzig allein ein Rabe dringt mit seinem verzweifelten Krähen zu mir durch.
Heute arbeite ich von zuhause aus. Es macht wenig Sinn, noch ins Büro zu gehen. Die immer gleichen Gesichter machen mich nie wieder glücklich.
Mein Boss hat mir schon eine E-Mail geschickt. Ein Logo für eine Bestattungsfirma. Schlicht soll es sein, elegant. Schwarz. Der Kaffee schmeckt nicht.
Ich trage ihn zu meinem PC und schalte das Radio wieder ein.

"…