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Queen of Hell

Und alle starben und an meinen Händen klebte Blut. Mein Gesicht wurde von einem Grinsen verziert, mit dem ich die Welt erobern würde.
Ich weiß, ich weiß, das war jetzt alles ein bischen plötzlich und spontan, doch lasst mich das erklären.
Ich bin Louisa, Königin der Hölle, Herrscherin des Schmerzes, Hüterin der Boshaftigkeit. Alles Böse auf dieser und anderer Welten ist mir unterstellt.
Meine Dämonenkräfte suchen ihresgleichen. Ich wurde ja nicht einfach so die Königin der Hölle. Auch wenn mein Aussehen vielleicht etwas geholfen hat.
Ihr fragt euch bestimmt, was man so als Königin der Hölle Tag für Tag macht. Größtenteils ist es Verwaltungskrams – eben die bösen Burschen, die mal auf der Welt gewandelt sind, in die verschiedenen Kreise der Hölle einordnen.
Dabei kann ich mich kreativ so wirklich auslassen. Die Hölle soll ja ihren Namen verdienen. Aber manchmal begebe ich mich doch selbstständig hoch, um selber ein paar Seelen einzusammeln. Manchmal ist das ja doch ganz spannend, besonders wenn es um die richtig miesen Schweine geht. Die quäle ich dann auch manchmal noch ein bischen auf meine Art. Bestrafung muss sein. Auch lustig sind die Fälle, wo jemand sich für irgendwen anders opfert und dann meint selbst dem Tod einfach entrinnen zu können. Da könnte ich wahnsinnig werden!
Manchmal suche ich mir aber auch einfach aus purer Langeweile ein paar arme Typen, die ich dann einfach aus Lust und Laune ein wenig foltere. Ich meine, irgendwelche Hobbys muss man haben, oder?
Damit mir nicht diese ultra-nervigen Engel auf die Pelle rücken, habe ich mir selber einen gesucht, der auf meiner Seite steht. Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, wie ich das geschafft hab. Ich hasse Menschen, er liebt sie. Aber trotzdem sieht er immer mit kalter Miene dabei zu, wie ich die schlagenden Herzen von irgendwelchen Egoisten in meinen kleinen süßen Händen zerquetsche. Und er räumt immer hinter mir auf. Und steht mir immer zur Seite. Irgendwie mag ich ihn, obwohl er einer von eben diesen Engeln ist. Er ist wie so ein Kuscheltier, an dem ich mich immer ausheulen kann. Obwohl er mich eigentlich jagen sollte.
Jedenfalls erzählte er mir letztens von einem Untergrundring von irgendwelchen Kultisten, die einfach meinten, meine Kreaturen der Unterwelt für ihre kleinlichen Probleme zu missbrauchen.
Er hatte natürlich Interesse daran, dass ich diese Idioten pulverisiere, er will ja auch nicht meine Schöpfungen da oben rumlaufen haben. Und er wusste, wie gerne ich diesen Menschen eins auswische.
Dieses Mal wollte ich mich fühlen wie ein Geheimagent. Das hab ich schon ewig nicht mehr gemacht, und durch das ganze Counter-Strike spielen bin ich doch ganz gut im Umgang mit Waffen geworden. Mein englischer (haha, Wortwitz) Kontakt hat mir eine verlassene Fabrik gezeigt, an dem er dämonische Aktivitäten (nicht meine, ausnahmsweise) wahrgenommen hat.
Neben der Einfahrt auf das Gelände stand ein kleines Wachhäusschen, das total klischeehaft sogar besetzt war. Im Schutze der Nacht verwandelte ich mich in eine Rauchwolke und bewegte mich lautlos in die kleine Hütte hinein. Ich materialiserte mich wieder in meine wunderschöne menschliche Form (hier mal ganz nebenbei – danke an die arme Sau, die vorher in diesem Körper gesteckt hat! Bis auf ein paar Probleme im Rücken und an den Gelenken ist es besser als alles, was ein Succubus sich so von selbst ausdenken könnte). Ohne das dieser Kerl etwas davon mitbekommt, schaue ich ihm in seine offene Zeitschrift. Wieder sehr klischeehaft – es waren Brüste. Könnte sich einfach umdrehen und ein besseres Paar erblicken – doch dafür war ich nicht hier. Nicht heute. Ich fasse bestimmt an die Basis seines Schädels und drehe die Wirbel so herum, dass sein leerer Blick in meine Richtung wanderte. Doch der Ruck war wohl zu schnell – der Arme atmete nicht mehr. Naja, war eigentlich auch so gedacht.
Ich machte mich auf dem Weg zur großen Lagerhalle, aus denen ich grässliches Singen hören konnte. War relativ schnell klar, dass sie wieder irgendeinen meiner Dämonen heraufbeschwören wollten.
Vor der Halle standen zwei Gestalten in Hoodies. Ich nutzte mit taktischer Überlegenheit den Schatten, der sich neben der Halle breit machte. Lautlos lade ich die Kugeln in meinen liebsten Revolver. Mit jeder geladenen Patronen wurde mein Grinsen fieser. Ich stellte mich neben einer dieser Männer, richtete den Lauf auf seine Schläfe und flüsterte „Headshot, Bitch.“. Noch während dieser Mensch meine Worte registrierte, lag wahrscheinlich schon die Hälfte der für das Hören verantwortlichen Gehirnmasse auf dem kalten Asphalt. Noch bevor der Andere reagieren konnte hatte ich ihm bereits die Lichter ausgeknipst.
Blut floss. Ein wunderschöner Anblick. Es ist fast ein Orgasmus, jemanden so die grauen Zellen aus dem Schädelknochen zu treiben. Ein Anblick, der mir gerade gut genug war.
„Ich kann da nicht rein. Die haben es gegen Engel abgeriegelt.“
Mir lief es kalt den Rücken runter. Auch wenn ich diese Stimme kenne und lieben gelernt habe, war es immer noch schrecklich, sie auf einmal aus dem Nichts zu hören.
„Daniel. Wie oft hab ich dir gesagt, dass du mich nicht immer so erschrecken sollst, wenn ich gerade getötet habe?!“
„Tut mir Leid. Ich wollte dich bloß informieren. Meld dich, wenn du hier fertig bist. Hab dich lieb.“
„Jaja, jetzt hör auf ständig-“ Weg. Er war einfach wieder weg. Typisch Engel.
Ich wischte mir etwas Blut vom Gesicht und musterte die Federn, die der Engel hinterlassen hat. Idiot. Kann nicht mal vernünftig fliegen.
Aber gerade jetzt habe ich Lust auf einen grandiosen Auftritt bekommen.
Mit Leichtigkeit trete ich die Barrikaden auf und brülle in die schlecht beleuchtete Halle „Na ihr Schlampen, wer hat einen Dämon gerufen? Hier ist gleich die Königin!“
Mit ungläubigen Augen schauten mich fünf Menschen an. Zwei davon waren bewaffnet und beschützten die anderen Eingänge, die mit Engelsabwehrsymbolen beschmückt waren.
Noch bevor einer etwas sagen konnte, richtete ich meine Hände nach links und rechts. Sofort hob ich die Wärter hoch und schleuderte beide in die entgegengesetzte Richtung. Die Brustkörbe zerschelten an den Wänden und gaben ein so ekelhaftes Knacken von sich, dass sich meine Nackenhaare aufstellten. Der eine, der zuvor noch am Singen war, hat sich mittlerweile unter den Tisch gekauert, der von einem Schädel, einem Kelch und anderem Krimskrams dekoriert war.
Während die anderen noch versuchten, sich um ihre gefallenen Kameraden zu kümmern, stapfte ich zu diesem Tisch hin, nahm den Kelch runter und kickte den Tisch weg, um den kleinen Feigling zu entblößen. Ich tauchte meinen Daumen in den Kelch, zeichnete einen Kreis auf seiner Stirn. Lustig, das er das mit sich machen lies. Solche Angst hatte er wohl. Auf einmal hörte ich ein Stolpern hinter mir. „Scheiße, Mann, du hast doch gesagt, der Dämon würde dann für uns arbeiten!“
Er stürmte mit einem Messer auf mich zu und erwischte mich zwischen die Rippen. Er lachte. „Ein Problem weniger.“ flüsterte er siegessicher.
Ich schaute an mir runter. Die schöne Bluse, ruiniert. Selbst der Engel wird die nicht wieder sauber kriegen. Scheiße. Ich musterte den Arm, der noch an dem Messer hing. „Stimmt“ sagte ich ruhig, während ich seinen Arm kurz vor der Schulter packte und mit meinem rechten Fuß in seinen Bauch fühlte. Beherzt zog ich an dem Arm, während ich mein rechtes Bein ausstreckte. Um einen Arm erleichtert taumelte er ein paar Schritte zurück und fiel hin. Ich zog das Messer mitsamt Arm aus mir heraus. Ich lockerte den Todesgriff der nun herrenlosen Hand, nahm das Messer und wandte mich wieder zu dem anderem Opfer hin.
Er war schon total verheult. „Bitte! Nein! Lass mich! Ich werde das nie wieder tun! Ich mach auch alles was du willst!“.
„Sorry, Schätzchen, darauf steh ich leider nicht“ erwiderte ich darauf. Ich setzt das Messer mit meiner rechten Hand auf das getrocknete Blut, ballte die Linke in eine Faust, und schlug auf den Griff des Messers. Sofort stellte sich das Wimmern ein.
Was ich nicht bedacht habe war aber, dass ja noch einer im Raum war. Der Kelch, der zuvor noch mit Blut befüllt war, war nun nicht mehr aufzufinden.
„Heiliges Wasser. Für den Fall der Fälle.“ Er stand mit diesem scheiß Kelch schon hinter mir. Ehe ich mich versah, war ich in seinem Schwitzkasten, mit diesem ekeligem Wasser direkt über mir.
Doch dann lockerte sich der Griff schon wieder, der Kelch schlug auf den Boden.
„Nein.“ keuchte Daniel, der auf einmal wieder da war. „Gut, dass du die Siegel gebrochen hast. Sonst wärst du jetzt in Schwierigkeiten.“
Ich schüttelte mir das Blut von Händen und wischte mir mit den Ärmeln meiner Lederjacke durch das Gesicht.
„Ich hätte das auch ohne dich geschafft, du Arsch!“
„Jaja. Du hast das heute echt gut gemacht.“

Ich hatte ein warmes Gefühl in meinem Bauch. Dieses schöne Gefühl, getötet zu haben.
Ich wünschte, dass würde irgendwer aufschreiben.
Und der letzte Satz wäre dann:
„Und auf Louisas blutverschmiertem Gesicht zeichnete sich ein Lächeln ab. Ein Lächeln, mit dem sie die Welt erobert hat.“




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