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Der Krieg der 100 Catherines (#1)

Wenn ihr jemanden umbringen wollt, dann nicht jemanden, mit dem ihr sowieso regen Kontakt habt. Ich kann verstehen, wenn man mal die Freundin erwürgen möchte oder die eigenen Eltern weniger lebendig eine doch ganz gute Form machen würden, aber nein. Zu viele Spuren. Wisst ihr, wie viele Haare, Hautschuppen und Rotze wahrscheinlich in ihren Lebensräumen von euch da rumfliegen? Da kann man viel zu schnell gefasst werden.
Wie ich darauf komme?
Naja, da muss ich ein bisschen erklären.

Ich bin zwar nicht besonders helle, zumindest nicht im klassischen Sinne, aber wenn ich eine Fährte aufgenommen habe, verfolge ich die auch bis zum bitteren Ende.
Da kam mir der Do-it-yourself-Baukasten für eigene Klone gerade richtig.
Folgende Situation:
Ich habe eine wunderschöne Freundin, Catherine. Schlank, kurvig, blond, schöner Vorder- und Hinterbau. Was Mann eben so mag. Witzig ist sie auch noch. Und spannend. Kein Wunder, dass sie mich in ihren Bann gezogen hat.
Das einzige Problem was ich mit ihr habe: Ich habe so wenig von ihr.
Wir sehen uns selten. Sie arbeitet viel, kümmert sich auch um andere Freunde, wir haben vor einem Monat Schluss gemacht, solche Dinge eben. Da kriege ich sie eben seltener zu Gesicht, passiert schon mal.
Und nur ihre Bilder, bei denen sie mich gebeten hat, sie zu löschen, zum bespaßen zu nutzen, wird auf Dauer auch irgendwie scheiße. Auch wenn sie verdammt gut in ihrer Lieblingsunterwäsche aussieht.
Zum Glück hat sie regelmäßig meine Haarbürsten benutzt. Da hab ich genug, um mehr als hundert Klone von Catherine zu machen. Fantastisch.
Ich baue das Gerät auf und platziere euphorisch ein einzelnes Haar in das gläserne Gefäß und schließe die Tür ab.
Diese Catherine soll mich lieben, vergöttern, mein Spielzeug sein - dann müsste ich nie wieder einsam sein.
Über Nacht sollte der Klon fertig werden - also schnell schlafen legen, dann träum' ich vielleicht nur von ihr.

Kaum bin ich wieder wach, stehe ich schon wieder vor der Klonmaschine und begutachte das Ergebnis.
Vor mir schwimmt eine perfekte Nachbildung von Catherine. In ihrer ganzen Pracht mustere ich das Ergebnis des Experimentes. Ja, diese Brüste und der wohlgeformte Hintern können nur ihr gehören. Oh, verdammt, ich hab' angefangen zu sabbern. Ich lasse die Nährflüssigkeit ablaufen, damit nur noch sie in einem Stützgeschirr vor mir hängt. Die Tür öffnet sich, ich führe meinen Finger über ihre Wange.
"Hey, Cathy. Aufwachen." flüstere ich mit verträumter Stimme.
Sie blinzelt. Mein Gott, sie blinzelt.
Ihr kristallblauen Augen schauten auf mich herab. Wie ich diese Augen liebe.
Sie hustet, blinzelt weiter. Auf einmal reißt sie ihre Augen auf und starrt mich an.
"Vincent!! DU VERDAMMTES ARSCHLOCH! WIESO BIN ICH NACKT? UND WIESO HÄNGE ICH HIER?!"
Ihre Stimme war also auch wie das Original. Und genau wie das Original verabscheut sie mich auch. Scheiße.
"HOL MIR SOFORT IRGENDWAS ZUM ANZIEHEN ODER ICH KRATZ' DIR DIE AUGEN AUS!"
"Wie denn? Du hängst da fest."
"Oh. Ja. Dann mach' mich erstmal hier los. UND ZWAR SOFORT."
Ich löse die Plastikringe von ihren Gelenken und griff an ihren Po - ja, immernoch geil. Natürlich setze ich sie nach der Inspektion auf den Boden ab. Jetzt schaut sie von unten auf mich, sie ist ja ein Kopf kleiner als ich es bin. Doch selbst von da unten schafft sie es, abwertend auf mich herab zu schauen.
"So du Wichser, jetzt erklärst du mir bitte, wieso ich hier bin - NACKT."
Ich zögere.
"... Weil ich dich vermisse?"
Bevor ich es merken konnte war ihre Hand schon in meinem Gesicht. Meine Wange schmerzte.
"Falsche Antwort. Was ist das hier überhaupt alles?"

Während ich ihr von meiner Einsamkeit berichte, suche ich nach alter Wäsche von der echten Catherine, damit der Klon nicht frieren musste. Auch wenn der Anblick überwältigend war.

"Ahja. Du weißt, dass wir nicht mehr zusammen sind, eben weil du so ein erbärmlicher Versager bist?"
"Ja, schon, aber..."
"Nichts aber. Das ist krank. Und das ich dir jemals wieder meinen Laptop zum reparieren hier lasse, kannst du dir auch abschminken. Meine Fotos sind nur für die, die es verdient haben, kapiert?!"
Ich schmunzele. Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht, obwohl ich es vielleicht haben sollte.
Auf einmal blitzt ihr Blick auf.
"Also bin ich jetzt nicht die echte Catherine, sondern nur eine Kopie?"
"So ungefähr. Ihr habt bis zum Zeitpunkt, als das Kopfhaar sich von ihr trennte, die gleichen Erinnerungen."
"Das heißt...?"
"Du bist Catherine, aber von vor ungefähr zwei Wochen.
"Wie ist das mit Eric gelaufen? Wir hätten letztes Wochenende ein Date haben sollen."
"Ist nichts geworden."
"... Deine Schuld?"
"Meine Schuld." Ich nicke selbstgefällig.
"DAS IST JA WIEDER SO TYPISCH FÜR DICH! ICH KÖNNTE DICH UMBRINGEN!"
"Hast du schon versucht."
Ich hebe meine linke Hand. Sie ist in einem Verband eingewickelt. Das Messer, dass sie nach mir geworfen hat, ist immer noch blutig und liegt in der Spüle.
Sie folgt meinem Blick, dass eben jenes Küchenmesser berührt.
"Du solltest mal den Abwasch machen."
Ich grummele.
"Bring mich zu mir."
"Geht nicht. Du hasst mich gerade."
"Tu ich sowieso. Mach jetzt."


Kommentare

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