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Der Krieg der 100 Catherines (#3)

Murphys Gesetz, was an sich ja eigentlich kein wissenschaftliches Gesetz ist, sondern viel mehr eine Lebensweisheit, besagt, dass alles, was falsch laufen kann, auch falsch laufen wird.
Also. Man schmiert sich ein Brot mit Nutella, schubst es vom Tisch, zack, Nutellaseite küsst den Boden. Langsam glaube ich, dass ich mir mein Leben selbst verteufele. Wenn ich zu sehr über die Dinge nachdenke, passiert auch die ganze Scheiße, die mir so im Kopf schwirrt.

Ich trete etwas auf der Stelle herum, werde aber sichtlich nervös. Ich wippe auf, und ab. Keine Ahnung, was sich hinter dieser Tür so tut, aber mein Bauchgefühl sagt mir jetzt schon, dass es schlimm wird. Und zwar sehr schlimm. Katastrophal schlimm.
Ich lehne mich an die Tür und versuche meine Ohrmuschel so flach an das dünne Holz so pressen, wie es geht, ohne das schmerzhaft wird. Aber wirklich besser ist die Akustik so auch nicht.
Wenn ich nicht wüsste, dass hinter der Tür nicht quasi identische Catherines sitzen würden, dann könnte ich genauso gut davon ausgehen, dass lediglich ein Fernseher das normale Nachmittagsprogramm zeigt.
Ich drehe mich mit dem Rücken gen verschlossener Tür, seufze und gleite geschmeidig auf den Boden. Jetzt wäre es wahrscheinlich angebracht, mich darüber zu beschweren, wie lange diese Diskussionen doch dauern, und das lautstark anzuzeigen - aber ich habe eh nichts vor. Arbeiten gehe ich ja nicht. Und mein letztes Projekt sitzt geschätzt fünf Meter weiter und plauscht mit dem Grund, wieso ich dieses Projekt angefangen habe.
Langsam dämmert es mir, dass es vielleicht doch eine extrem beschissene Idee war, Catherine zu klonen. Ich hätte mir genauso gut eine ultra-realistische Sexpuppe aus Russland importieren können. Wäre auch ein besserer Gesprächspartner gewesen.

Hinter mir klickt es. Mit einem Ruck öffnet sich die Tür. Und mit ungefähr dem selben Ruck knallt mein Hinterkopf auf das pingelig saubere Laminat. Über mir sehe ich ein Paar wohlgeformte Beine und den Ansatz eines Hinterns - ich grinse unwillkürlich.

"Steh auf." brummt der für mich kopflose Körper über mir.
"Wir haben eine Idee. Und dafür brauchen wir dich, auch wenn ich, oder viel eher wir, bei diesem Gedanken das Kotzen kriege. Kriegen."

Ich schwinge mich elegant auf meine Beine und drehe mich zum Türrahmen hin. Vor mir steht Catherine. Weiter hinten sitzt Catherine. Scheiße. Ich kann sie nicht unterscheiden. Die echte Catherine hat den Klon geschminkt und bekleidet. Irgendwie unfair.

"Leute, ne, so geht das echt nicht. Macht euch bitte Namensschilder oder sowas."
"Schnauze, komm her und setz' dich hin.", bellt Sessel-Catherine.
Tür-Catherine schließt die Tür hinter mir und setzt sich neben Sessel-Catherine.

Ich schmunzele. "Weißt du, ich hatte mal so einen Traum, der hat so ähnlich angefangen, aber ich war nackt und du -"
"Irgendwie kann ich das immer noch nicht so recht glauben", wirft Sessel-Catherine-1 ein, "aber jetzt kann man ja das Beste aus der Situation machen."
"Du hast mir... Uns... Aber auch dir, also quasi allen, diese Scheiße hier eingebrockt."
Sessel-Catherine-1 nickte.
Beide wirken mir zu entspannt. Ich wechsele ständig mit den Augen zwischen beiden her. Mir fällt einfach kein Unterschied ein. Beide sind bildhübsch, aber beide gleich verärgert. Mein Blick kreuzte sich mit dem einer der beiden Catherines.
"Ich bin die Echte, Spast."
"Nein, ich bin die echte Catherine", erwiderte ich mit dumm-cartoonischer Stimme.
Beide Catherines rollen mit den Augen, als hätten sie es beim Synchronschwimmen schon tausende Male für die Kamera geübt.
"Klon' mich nochmal.", sagte Catherine.
"Ein paar mehr von meiner Sorte könnte nicht schaden.", fügt der Klon hinzu.
"Und was hab ich davon?", fragte ich.
"Das wir dich nicht auf der Stelle umbringen."
Catherine durchbohrt mich mit ihrem Blick. Ihr Ärger scheint einem unterkühltem Blick gewichen zu sein. Mir wird schlecht. Ich kenne diesen Blick. Jedes mal, wenn dieser Blick auf ihrem Gesicht erschien, hieß das automatisch für mich, dass ich die Arschkarte gezogen habe.
"Und dann? Willste die Weltherrschaft an dich reißen oder was?"
"Ja" sagte Catherine. Ohne ein weiteres Wort.

Es wurde still. Catherine und der Klon blickten sich fragend an.

"Weiter habt ihr nicht gedacht, hm?"
"Naja, ein Klon mehr wäre schon mal ganz gut."
"Dann hätten wir zumindest schon mal jemanden, der für uns die Hausarbeit erledigt, während wir planen."

Beide Catherines lachen hämisch.
Das ist das schlimmste anzunehmende Ergebnis. Selbst der Tod wäre jetzt ein besserer Zustand. Eine Catherine, die mich nicht liebt, war schon zu viel. Zwei sind surreal. Aber drei? Oder sogar noch mehr? War diese Welt nicht schon genug gestraft?

"Denk nicht mal dran. Du wirst das machen. Sonst machen wir dein Leben wirklich zur Hölle."
An dieser Stelle stirbt auch der letzte Funke Rebellion in meinen Augen. Verdammt seist du, Murphy.

"Wie lange müssen wir warten, bis der nächste Klon bereit ist?"
"'ne Nacht?"
"Und dieser Klon ist dann auf dem selben Stand wie wir beide. wenn du ein frisches Haar kriegst?"
"Öh, joah, Müsste. War bei Alpha-Klon auch so."
Der Klon schwingt seine Augenbrauen in eine fragende Position.
"Klingt doch cool."
Der fragende Blick intensiviert sich.
"Was?"
Keine Veränderung.
"GOTT WEIB! SAG DOCH WAS DU WILLST!"
"Nichts. Hab vergessen, wie leicht es ist, dich zu verunsichern."

Die Magensäure, die ich unwillkürlich hochwürge, verdirbt mir den Appetit. Und hoffentlich auch den der beiden Catherines. Noch nie habe ich mich so daran ergötzt, auf einen Kaffeetisch zu kotzen.


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