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Die Doppelmoral um Abtreibungen

Glücklicherweise war ich selbst noch nicht in der Lage, dass ich über eine Abtreibung nachdenken musste. Allen voran, ich bin keine Frau. Das mit dem Kinder kriegen gestaltet sich mir persönlich also schon mal recht schwierig. Aber zeugungsfähig bin ich ja trotzdem. Und solange kein gewaltiger Sprung in der Wissenschaft erfolgt werden auch noch beide Komponenten (Eizelle und Spermien) gebraucht.
Bevor ich anfange, das Problem darzustellen, möchte ich erst einmal ganz klar sagen, dass ich für Gleichberechtigung der Geschlechter bin, keines sollte dem Anderem in irgendwas nachstehen, egal ob kulturell, rechtlich, oder im Arbeitsmarkt.

Spricht man sich aber für echte Gleichberechtigung aus, läuft man irgendwann in ein paar Probleme. Eines will ich hier ansprechen (und ich denke, dass es eher nur heterosexuelle Paare betrifft, wobei es wahrscheinlich durch ein paar Schlenkerl auch auf andere Sexualitäten auszuweiten ist - aber ich denke die gedanklichen Sprünge könnt ihr selbst machen).

Egal ob beim Casual Sex oder in einer langjährigen Beziehung, beide Seiten bemühen sich um Verhütung beim Sexualverkehr, solange man keinen Kindeswunsch hat. Es gibt da auch nicht wenig Möglichkeiten, die sowohl Männlein als auch Weiblein in Betracht ziehen können. Problem ist: Solange man sich nicht permanent der Fähigkeit zur Kindeszeugung beraubt ist keine Methode komplett narrensicher - und selbst invasive Eingriffe sind nicht totsicher (es gibt Männer, denen sind die durchgetrennten Samenleitern wieder zusammengewachsen, shitteböm).
Kommt es dann unerwarteter Weise doch zu einer Schwangerschaft, so haben die unverhofften Eltern, wenn sie entweder aus finanziellen oder emotionalen Gründen nicht in der Lage sind ein Kind zu haben, meist zwei Optionen, die beide darauf hinauslaufen, das werdende Kind zu "vermeiden": Adoption oder Abtreibung.
Eigentlich sehr simpel. Sind beide Parteien (gemeint sind die Eltern) mit einer Alternative einverstanden, gibt es meistens auch keine weiteren legalen Probleme mehr.
Doch leider leben wir in einer Welt, in der es doch sehr oft Kommunikationsschwierigkeiten und egozentrisch denkende Menschen gibt.
Das Problem, was sich hier für mich auftut: In dieser Hinsicht haben Frauen eine gewisse Machtposition. Egal, wie sich beide Parteien besprechen, im Endeffekt ist es ein biologisches Muss, dass die Frau die endgültige Entscheidung trifft. Es ist ja schließlich ihr Körper, nur sie kann entscheiden, ob eine Abtreibung stattfindet oder nicht. Ihr das Recht dafür anzusprechen wäre auch komplett falsch. Bis zur Geburt ist das ungeborene Kind (oder zumindest die biologischen Anlagen dafür) ein Stück der Frau, ein Stück ihres Körpers.
Kommt man dann aber in die Situation, dass der Mann sich ganz klar für eine Abtreibung ausspricht, dann hat die Frau trotzdem noch die Möglichkeit, dies zu ignorieren und das Kind zu bekommen. Das kann nicht nur ein Trennungsgrund werden, auch legal ist das eine benachteiligende Situation für den Mann: So ist der Mann dazu verpflichtet, Unterhalt zu zahlen. Auch bei einer Trennung und auch wenn er gegen das Kind war.

Das ist für mich sehr problematisch. Als erwachsener Mensch, der nicht komplett egoistisch handelt, muss man in der Lage sein, bestimmte Kompromisse einzugehen. Natürlich ist es der Frau freigestellt, ob sie ihr Kind aufträgt oder nicht - doch ist es nicht eine gewisse Doppelmoral, wenn man sich erst gegen einen Menschen ausspricht und seine Wünsche ignoriert, und dann seine Unterstützung erzwingt, damit die eigenen Bedürfnisse gedeckt werden?

Ich würde gerne euren Input dazu haben - gibt es etwas, was ich nicht bedacht habe?
Ich hoffe, ich konnte euch zum denken anregen.

- Dan out

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