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Writing Prompt #1

Die Idee für den folgenden Text stammt von Reddit. Die "Aufgabe" lautet wie folgt:
"We finally get men on Mars and they discover an old Soviet flag placed down decades ago. The Soviets won the space race but for whatever horrifying reason didn't say anything."




Eingehende Übertragung. Annehmen?

>JA

Übertragung angenommen.

Starte Wiedergabe von Übertragung "EMERGENCY_BROADCAST_2059-04-12-0954".

...

...

ÜBERTRAGUNG START:

Ich hoffe, irgendwer wird das hier noch lesen...
Ich habe mich versteckt, sitze in der Kommunikationszentrale und tippe diese Zeilen, damit ihr zuhause wisst, wieso wir nicht mehr nach Hause kommen werden. Scheiße, sie sind bestimmt schon im Schiff...
Mein Name ist Private Arrington, ich wurde mit meiner Truppe auf eine Mission geschickt, um den Mars zu bemannen. Wir sollten die Ersten sein, die hier leben werden, für immer.
Doch wir waren nicht die Ersten. Ich hatte schon beim Start so ein beschissenes Gefühl. Verdammt, wieso sind wir nicht einfach hier geblieben?
Die Landung verlief komplett problemlos. Als wir angekommen sind, war - wie zu erwarten - nichts. Nur roter Sand, Hügel, Löcher, und die kalte Schwärze des Alls.
Wir wurden mit ein paar Wissenschaftler hier hoch geschickt. Uns wurde gesagt, sie bräuchten wohl ein paar "starke Jungs" die mit anpacken könnten. Roboter wären wohl zu schwer gewesen, weswegen man auf Manneskraft zurückgreifen musste. Und wir wären die ersten Amerikaner mit dem Wohnsitz "Mars" gewesen.
Mein Squad wurde auf eine Scouting-Mission geschickt, kurz nach der Landung. Wir sollten die nähere Umgebung auskundschaften. Nach Ebenen suchen, wo wir unser erstes Lager aufschlagen sollten. Rund fünfhundert Fuß entfernt von der Landezone haben wir einen solchen Ort gefunden.
Dort errichteten wir dann unsere eigentlich nur vorübergehende Basis... Und jetzt wird es mein Grab.
Wir haben den Wissenschaftlern und Ingenieuren beim Errichten des Lagers geholfen, alles installiert und betriebsfertig gemacht.
Während die Techis mit dem Vorbereiten erster Experimente begann, zog meine Einheit weiter, um das Gelände zu erkunden. Wir haben uns unser Leben auf dem Mars ausgemalt. Das hier sollte unser zuhause werden. Wir zeigten auf die Dünen und stellten uns vor, dass dort die Schule stehen wird, zu der unsere Kinder mal gehen werden. Daneben wäre unser Mars-Coffeeshop gewesen. Wir lachten, wir waren so optimistisch...
Nach gut zwei Stunden Fußmarsch entdeckten wir eine Art Berg mit einem mannshohen Eingang im Gestein. Wir folgten unseren Instinkten und liefen direkt auf die Höhle zu. Hätten wir nur vorher gewusst, was in dieser gottverdammten Höhle war... Sie hätten alle noch leben können... Wir hätten fliehen können. Ich hätte meinem scheiß Bauchgefühl vertrauen sollen. Sergeant Paul bestand aber darauf, dass wir da rein gehen. Sie war so überzeugt, dass ja nichts passieren kann - obwohl die Sensoren für kosmische Strahlung schon am ausflippen waren. Es konnte ja keiner ahnen, dass sie schon hier waren. Wir hätten einfach umkehren sollen und unseren Fund der Basis berichten können.
Als wir ungefähr zehn Fuß entfernt von dem Eingang weg standen sind unsere Sensoren für die Strahlung komplett ausgefallen. Die Werte waren zu hoch.
Die Höhle war von innen fast wie befreit von Sand. Die letzten Krümel knirschten unter unseren Stiefeln. Sergeant Paul bildete die Spitze unserer Truppe und leuchtete den Weg aus.
Nach einer gefühlten Ewigkeit sahen wir das Zeichen, dass unsere Situation mehr als nur deutlich machte: An einer Gabelung lag eine Metallplatte, die ganz klar fabriziert wurde, von menschlicher Hand. Auf dieser Platte war, wenn auch stark zerkratzt und verblasst, ganz deutlich die Insignien der Sowjetunion zu sehen. Ich hatte dieses Symbol bisher nur in Geschichtsbüchern und Videospielen gesehen. Aber wir alle wussten sofort: Die Russen waren hier. Und das schon im letzten Jahrhundert. Die Platte wirkte wie eine Art Wegweiser: Auf ihr waren Pfeile eingezeichnet, darüber jeweils kyrillische Schriftzeichen, die keiner von uns entziffern konnte. Der eingeritzte Totenkopf sprach aber eine deutlichere Sprache.
Wir hätten einfach umdrehen sollen. Aber unser Befehl war ja, dass wir den Mars sichern sollten. Egal, was kommt. Aber damit haben wir auch versagt.
Wir folgten dem Tunnel weiter und fanden mehr Fragmente einer längst vergangenen Ära. Es waren mehr Metallplatten verstreut, ab und zu fanden wir Überreste von beinahe weißen Flaggen, auf denen man aber noch Hammer und Sichel auf rotem Hintergrund erkennen konnte. Als wir einen Gang bis zum Ende verfolgten, fanden wir eine Art Schrotthaufen in einer Grube vor. Dort waren Metallteile gelagert, die allesamt aussahen, als hätte jemand versucht, gebogene Teile wieder gerade zu hämmern. Auf einigen Platten war das internationale Warnzeichen für radioaktives Material zu sehen.
Private Muro fing an vor sich herzustammeln. Anscheinend hat er von einer Verschwörungstheorie gehört, die besagt, dass die Russen in den späten 20ern versuchten, die noch radioaktiv verseuchte Gegend um Tschernobyl zu untersuchen. Dafür haben sie wohl inhaftierte Insassen dazu gezwungen, den Betonmantel um das Reaktorkraftwerk herum zu sprengen. Das ist wohl schief gelaufen, und damit das keiner mitkriegt wurden die Zeugen sowie das gesprengte Material auf den Mars geschickt.
Natürlich hat das keiner geglaubt. Es hörte sich so unglaublich absurd an. Wie soll man sowas nicht mitbekommen? Aber anscheinend sind wir hier auf die Überreste dieses Experiments gestoßen. Ich nahm ein Stück Metall in der Größe meines Unterarmes mit, damit die Wissenschaftler sich das mal genauer anschauen konnten.
Mein ungutes Gefühl wurde nochmals verstärkt und ich forderte Sergeant Paul dazu auf, dass wir abziehen und uns schnellstmöglich auf den Weg zur Basis machen. Sie nahm meine Sorgen nicht ernst. Diese dumme... Nur weil sie ranghöher ist als ich. Sie hätte genauso gut merken müssen, dass wir hier auf etwas gestoßen sind, das hier auf keinen Fall hätte sein dürfen.
Auf ihr Kommando hin gingen wir also tiefer in die Höhle. Je tiefer wir in den Tunnel hinein gingen, desto schlechter wurde mir. Ich wollte einfach nur noch kotzen. Auch der Rest der Truppe beschwerte sich über körperliches Unwohlsein. Doch wir gingen weiter.
Nach einer gefühlten Ewigkeit bemerkte ich am Ende des Tunnels ein flackern. Ein schwaches, rotes Licht war sichtbar. Die Quelle des Lichtes war verborgen, wir gingen aber direkt auf sie zu. Plötzlich keifte Paul los, wir sollen uns still verhalten und uns in Pirsch-Haltung begeben. Sie schaltete ihre Taschenlampe aus. Die folgende Stille war irgendwie beruhigend, aber nicht von langer Dauer. Wir hörten das Knirschen von Sand, welches uns zwar bis hierher auf Schritt und Tritt begleitet hat - doch diesmal kam es nicht von uns. Wir hielten die Luft an. Das Flackern wurde stärker, nervöser. Es fing an aufzublitzen, wurde grell, und so, wie es plötzlich stärker wurde, erlosch es fast genauso schnell.
Private Paul schaltete ihr Licht wieder an.
Vor uns manifestierte sich eine humanoide Gestalt. Es war grauenhaft... Dieses Ding war hässlich. Wie eine ausgedorrte Leiche stand es vor uns. Die ledrige Haut wurde teilweise umhüllt von alten, braunen Uniformen. Sein Kopf klappte nach hinten, der Kiefer öffnete sich und entließ ein Stöhnen - sowas hab ich noch nie von einem Menschen gehört... Es war schon kein Mensch mehr. Es sah zwar entfernt aus wie einer, aber es wie nichts, was ich jemals in meinem Leben gesehen habe.
Seine Hand fiel in Richtung der Taschenlampe, doch ehe es die Lampe greifen konnte, schaltete Sergeant Paul die Lampe aus und erteilte uns den Befehl zum Rückzug.
Das schwache, rote Licht erhellte den Weg gerade genug um zu sehen, wann wir außerhalb der Reichweite von diesem Ding waren. Der Schatten bewegte sich nicht mehr. Wir schnappten nach Luft.
"Scheiße, das war ein Zombie! Ein gottverdammter scheiß Zombie!", hechelte Muro. Wir hörten ein Schleifen in der Ferne, gefolgt von animalischen Knurren. Tatsächlich sahen diese Dinger wie Zombies aus. Sie bewegten sich auch so. Ich presste gegen das Stück Metall, dass ich mitgenommen habe. Scheiße Mann, Zombies. Ich dachte, sowas gibt es nur im Fernsehen. Und jetzt ist das Ende meines Lebens wie so ein schlechter Zombie-Slasher.
Wir konnten nicht lange rasten, da das Schleifen immer lauter wurde - und es schien sich auch noch zu vermehren. Wir rannten weiter zurück durch das verwinkelte Tunnelsystem. Die Gänge, die zuvor noch leer waren, standen auf einmal voll mit den Russen-Zombies. Mit der Metallplatte bahnte ich uns einen Weg aus diesem Loch. Immer wieder griffen diese knochigen Hände nach uns. Immer und immer wieder. Es wurden nicht weniger, und der Weg schien unendlich.
Plötzlich hörte ich, wie Muro aufschrie. Er lag am Boden und wurde von uns weggezogen. Verzweifelt strampelte er gegen die Zombies an. Er schaute mich an, griff nach mir. Dieser Blick. Er verfolgt mich. Ich wollte ihm helfen, doch bevor ich ihn erwischte, griff eine andere Hand an meine Schulter. Ich schlug um mich und erwischte eines der Monster am Kiefer. Der Zombie wurde von der Wucht der Platte, die ich als Waffe nutzte, aber kaum umgehauen. Die untere Zahnreihe hing lose am Rest des Kopfes, der lose auf den Halswirbeln saß, doch die Hände griffen weiter nach mir. Ich kratzte die Finger von meinem Anzug und drehte mich wieder zu Muro. Aber er war weg. Verschwunden. Ich hab ihn verloren...
Sergeant Paul schrie über Funk. "Wenn du da stehen bleibst, bist du auch dran, lauf!". Ich drehte mich um und preschte in die Richtung der noch lebendigen Truppenmitglieder. Es passierte alles so schnell, Mann. Es war grauenhaft. Selbst als wir aus dieser scheiß Höhle raus waren, fühlte ich mich nicht sicher. Nicht mal ansatzweise. Das rote Licht war am Horizont zu sehen, diesmal aus der Richtung unseres Lagers. Doch der Planet wirkte nicht mehr leer. Wie ein Wald standen ringsherum diese dürren Figuren um den Berg herum. Sie waren überall. Wir haben versucht so schnell wie möglich zu dem Lager zu kommen. Eine echte Verteidigung hatten wir nicht. Ich meine, wer hat mit gottverdammten Zombies gerechnet? Unsere letzte Hoffnung war es, mit dem Notfalltransportsystem irgendwie nach Hause zu kommen.
Wir rannten also los, geradewegs auf die Horde zu. Wie konnte sowas passieren? Wussten die Russen, dass aus den Menschen, die sie hier raufgeschickt haben, Zombies werden?
Wir sind einfach nur noch gerannt. Ich weiß nicht, wie lange wir gelaufen sind. Ich wollte einfach nur noch ankommen. Aber als wir dann endlich das Lager sehen konnten, wurde das Grauen noch viel schlimmer. Wir haben versucht, unsere Kollegen über Funk zu erreichen. Doch keiner antwortete. Unsere Basis, die nur Stunden zuvor vollgeladen war mit Menschen, war auf einmal so leer. Zumindest dachten wir, es wäre leer gewesen. Den Großteil der Horde haben wir hinter uns gelassen. Es war aber schnell deutlich, dass sie sich bereits ihren Weg bis in das Lager gebahnt hatten.
Die Flure waren getaucht in Blut und verstreuten Organen. Sowas habe ich noch nicht mal auf der Erde gesehen, und ich hab schon echt schlimme Scheiße mitmachen müssen. Ich weiß auch schon gar nicht mehr, wie wir es hier in das Kommunikationszentrum reingeschafft haben... Sie waren überall. Überall. Sie haben sie einfach zerfetzt. In Stücke gerissen und überall verstreut. Man kann gar nicht mehr erkenne, dass diese Fleischberge mal Menschen waren. Und zwischen den Fetzten standen sie. Diese Scheißdinger.
Sergeant Paul und ich haben es irgendwie geschafft, uns hier zu verbarrikadieren. Vor dem Eingang stehen Schränke. Draußen hört man immer noch das Schleifen... Sie wissen das ich hier bin. Sie spüren es. Paul hat sich umgebracht. Als sie hörte, wie im Nebenzimmer einer der noch lebendigen Wissenschaftler unter Schreien von diesen Dingern auseinandergenommen wurde, ist sie komplett ausgeflippt. Sie nahm das Messer aus dem Verbandskasten. Ich wollte sie stoppen. Vielleicht hatten wir noch eine Chance, sagte ich ihr. Sie blickte mich nur entgeistert an und führte die Klinge an ihre Kehle und... Ich hab schon viele Menschen sterben sehen. Aber sowas... Das kann man nicht beschreiben. Ich weiß auch nicht, wieso ich noch hier bin. Es ist alles so surreal. So unecht. Ich habe Panik. Vielleicht liest das hier noch jemand. Damit ihr wisst, was hier passiert ist. Sie hören, wie ich tippe. Schickt bitte niemanden mehr hier hoch, ich flehe euch an! Das hier... Das ist die Hölle! Sie drücken gegen die Tür. Das sind wahrscheinlich meine letzten Zeile. Hilfe. VERDAMMT! Sie kommen rein, es sind so viele, ich

ÜBERTRAGUNG BEENDET.

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>NEIN

Übertragung gelöscht. Keine weiteren Nachrichten.

Kommentare

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