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Das binäre Geschlecht

Generell unterscheidet man Menschen in zwei Geschlechter - Mann und Frau.
Für medizinische Zwecke soll das auch komplett genügen - schließlich hat man ja entweder weibliche oder männliche Geschlechtsorgane, naturgegeben ist da nicht viel anderes möglich, und alles Andere ist dann eher problematisch.
Kommen wir aber zur sozialen Ebene, wird das schon schwerer.
Es gibt ganz klare Vorstellungen davon, was "typisch Mann" und was "typisch Frau" ist. Dutzende von Klischees sind hier vertreten, und jeder von euch musste irgendwo in seinem Leben mit diesen Klischees hantieren, ob gewollt oder nicht.
Das ist ja das, was uns zum Individuum macht - wir nehmen einige Vorstellungen der Gesellschaft an, schmücken uns damit, andere Vorurteile schmettern wir ab und identifizieren uns darüber, dass wir eben nicht das sind, was man von uns vermutet - niemand ist komplett "Mann" oder "Frau".
Doch auch hier haben wir irgendwann ein semantisches Problem:
Wie nennt man jemanden, der sich ganz klar als Mann sieht, heterosexuell ist, aber "klassisch weibliche" Eigenschaften hat?
Wir haben hier in unserer Sprache ein Beschreibungsproblem. Wir versuchen, alles entweder als "männlich" oder "weiblich" zu bezeichnen. Die binäre Geschlechterdefinition, die bei der rein biologischen Identifizierung eigentlich ausreicht, kann hier einfach nicht mehr greifen. Wenn sich jemand als "weiblich" bezeichnet, aber sich sexuell zu Frauen hingezogen fühlt und keine Glitzer-Prinzessin ist, ist diese Person dann keine Frau?
Als Mann gilt es sofort als unmännlich, wenn man eine pastelfarbene Handyhülle mit pseudo-deepen Sprüchen darauf im Besitz hat oder total angetan von der Fülle an Einhorn-Zeugs ist, das sich in letzter Zeit anscheinend überall verbreitet.
Auch beweißt man anscheinend seine "Männlichkeit", wenn man süße Cocktails in einer Bar trinkt, da man "seine Sicherheit demonstriert".
Mein Vorschlag hier: Wir müssen aufhören, Geschlecht als "entweder - oder" zu betrachten. Ich bin für eine fluide Beschreibung von Geschlecht, also einer flüssigen Identifizierung, die flexibel ist. Es ist sowieso eine recht sinnlose Debatte, sich unbedingt mit einem Geschlecht identifizieren zu müssen.
Wie ich so oft predige, hilft hier nur eine Sache: Miteinander kommunizieren. Es ist unmöglich, einen Menschen in Schubladen zu packen - entweder muss man sich damit zufrieden geben, dass kein Mensch ganz genau in irgendeine Schublade passt, oder man muss unendlich Schubladen nehmen, was dann der Idee von Kategorisierung nicht mehr entspricht.
Es hilft keinem weiter, sich hier wegen spezifischen Sachen anzuschnauzen - hier muss man damit umgehen können, dass man nicht immer als das erkannt wird, was man ist. Versucht man nämlich, auf jeden einzelnen Fall Rücksicht zu nehmen, trifft man wieder auf das oben genannte Schubladen-Problem. Lösungen wie "Liebe Studenten*Innen" sind klobig und helfen keineswegs dabei, die darunterliegenden Probleme wie Sexismus zu lösen, sondern stellen diese noch mehr heraus. Bis wir uns aber komplett von der Idee des Geschlechts loslösen können, ist es ein noch sehr langer Weg.
Wie gesagt: Wir müssen versuchen, mehr aufeinander zu hören und einzugehen. Wir dürfen aber auch nicht anderen zum Vorwurf machen, dass sie sofort mit uns umgehen, wie wir es gerne hätten - das ist einfach unmöglich. Bis dahin muss uns der Common Sense und der grundsätzliche Respekt vor anderen Menschen durch unser Leben tragen.

- Dan out

Kommentare

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