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Nimmermehr

"Guten Morgen, liebe Zuhörer! Es ist 10 Uhr und für heute steht Sonne pur an! Genießt den Tag."
Die Stimme aus dem Radiowecker ist höchst motiviert. Ich bin es nicht.
Ich rolle mich zur Seite und schalte den Wecker aus. Der Schlaf hält mich noch fest an sich, will mich zurückreißen. Ich richte mich auf und wische mir den Trübsal aus dem Gesicht.
Schon wieder wache ich alleine auf. Ohne Felicia.
Mit dem letzten wenig Kraft hebe ich mich aus dem Bett und fahre meinen Rechner hoch.
Draußen lärmt die Stadt, doch ich höre sie schon längst nicht mehr.
Einzig allein ein Rabe dringt mit seinem verzweifelten Krähen zu mir durch.
Heute arbeite ich von zuhause aus. Es macht wenig Sinn, noch ins Büro zu gehen. Die immer gleichen Gesichter machen mich nie wieder glücklich.
Mein Boss hat mir schon eine E-Mail geschickt. Ein Logo für eine Bestattungsfirma. Schlicht soll es sein, elegant. Schwarz. Der Kaffee schmeckt nicht.
Ich trage ihn zu meinem PC und schalte das Radio wieder ein.

"Beim heutigen Black-Lives-Matter-Protest sind mehrere Teilnehmer tödlich verletzt worden. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Die Polizei vermutet eine politisch motivierte Tat, bei der mehrere Angreifer sich in der Masse versteckt hatten und dann mit Messern auf mehrere Protestanten eingestochen haben sollen."

Makaber, dachte ich mir. Die Branche boomt ja. Sowas hätte ich dir erzählt, doch das geht ja nie wieder. Du bist weg. Ich seufze und fange an zu zeichnen.
Ein Schnabel, Klauen. Schwarz. Der Rabe kräht wieder. Es dröhnt.
Du fandest sowas faszinierend. Hättest bestimmt gesagt, der Rabe, er ist das Zeichen für den Untergang. Ich hätte gelacht. Doch das tue ich nicht mehr.

Mein Handy klingelt. Ich versuche es zu finden. Doch die Scherben meines Lebens liegen im Weg. Schwarz. Das dumme Ding ist doch schwarz, wieso finde ich es nicht mehr im Grau? Kein verpasster Anruf, keine Nachrichten. Ich war mir so sicher, ich hab es doch gehört. Doch jetzt höre ich nur den Raben. Du schreibst mir eh nicht mehr.

Du hast an mich geglaubt. Mir gesagt, dieser Job ist perfekt für mich, ich zeichne doch so gerne. Doch es zeichnet sich nur ab; Die immer gleichen Wünsche, die immer gleichen Jobs, abgezeichnet vom Chef, der meine Checks abzeichnet. Mit Lust zeichne ich nie wieder, das zeichnet sich ab. Der Rabe ist schwarz. Schlicht. Aber immer da, wie der Tod. Er kräht. Ich will nicht mehr und sacke in meinen Stuhl ab.

Wenn doch nur so ein kleiner Teil fehlt, wieso fühlt es sich so ganz an? Wieso wurde mein Leben konsumiert von so einem Parasit, der meine Gedanken so pechschwarz färbt? Nie wieder soll ich glücklich werden, sagst du mir. Oder hast du doch was anderes mir gewünscht? Nie wieder sollte ich mich fragen, sage ich mir. Ich kann nicht denken, der Rabe kräht so laut.

Doch bin ich gekettet an deinen Namen. Ich bin infiziert von dem Hass und der Liebe, die allem das Licht nimmt, nie wieder soll ich leuchten. Wie das Krähen höre ich nur dich. Ich reiße das Fenster auf und starre den Raben an. Sein schwarzes Gefieder funkelt.
Ich schreie. "Was willst du, du dummes Vieh? Ich kann hier nicht vernünftig arbeiten wegen dir! Verzieh dich! Verschwinde aus meinem Leben, du machst mich krank! Hörst du? Ich kann nicht mehr!"

Da sprach der Rabe, "Nimmermehr".

Kommentare

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Kommentar zu "Der brave Herr Schulz", oder: MEGA!

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