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Kommentar zu "Der brave Herr Schulz", oder: MEGA!

Dieser Beitrag ist ein Kommentar zu diesem Beitrag. Also erstmal das lesen, bitte dankeschön.

Das Wichtigste gleich zum Einstieg:
Es passiert echt nicht oft, dass mich ein Beitrag im Spiegel aufregt. Das es dann noch in solch einem Rahmen passiert, als das ich mich dazu gezwungen sehe, etwas dazu zu schreiben, passiert noch viel seltener.
Und was zur gottverdammten Hölle will uns der Autor eigentlich sagen?! Erstmal ganz unabhängig davon, was er über Schulz sagt. Wieso ist die AfD der Gewinner des Abends? Nur, weil den Abend über die angeblichen "Folgen" der "Flüchtlingskrise" gesprochen wurde (übrigens - Claus Strunz ist für seine unglaublich dämlichen und vorwurfsvollen Fragen nicht zu Unrecht in die Kritik gekommen), heißt das noch lange nicht, dass der AfD wertvoller Spielraum zugekommen ist. Meiner Meinung nach ist eher der gegenteilige Fall eingetreten: Erst dadurch, dass solch penetrante und fehl am Platz wirkende Fragen gestellt wurden, die mit einer Kanzlerwahl wenig zu tun haben, wurde sehr deutlich, dass die AfD ein starker Verlierer in diesem Jahr sein wird. Nach den Forsa-Umfragen vom 08.09. liegen ihre Werte bei 9% - kein Höchstwert für dieses Jahr, und natürlich stellt sich die Frage, wie repräsentativ eine Umfrage bei 2000 Leuten ist. Es ist aber klar geworden, dass die AfD fehl am Platz wirkt. Ihre Hauptthemen - Migration und Grenzen - wirken ausgeleiert.

Kommen wir aber zum Hauptkern des Beitrags:
Schulz wird hier als Verlierer des Abends dargestellt, als jemand, der seine Position nicht verteidigt hat, als jemand, der Angst vor Streit hatte.
Hat der Autor das gleiche Duell wie ich gesehen? Natürlich kann man nicht erwarten, dass einer der Kandidaten sein Butterfly zückt und auf den anderen einsticht um seine Dominanz zu beweißen.
Dennoch hat Schulz ab und an klare Züge gezeigt, beispielsweise, als er Merkel zu ihrem recht übereilten Handeln bezüglich der Flüchtlingskrise kritisiert hat (wir hätten mehr europäische Kommunikation gebraucht). Anderweitig war Schulz herrlich passiv-aggressiv, beispielsweise als es um die Maut ging.
Aber ich habe ein anderes, ganz grundlegendes Problem mit dem Beitrag?
Was zur verfickten Hölle wird hier für ein Wahlkampf suggeriert?! Sind wir etwa in den USA, wo sich die Spitzenkandidaten verbal eindreschen sollen? Brauchen wir wirklich einen "du bist doof deswegen soll man dich nicht wählen"-Wahlkampf?
Wir haben eine repräsentative Demokratie in Deutschland. Natürlich laufen viele Dinge nicht optimal, aber das ist jetzt gerade nicht der Punkt.
Demokratie besteht aus vielen Beiträgen, aus der Diskussion. Nicht aus einem einzelnem Dekret, um alle anderen zu knechten und sie ewig zu binden. Und Diskussion ist meistens nicht spannend. Diskussion ist anstrengend, langwierig, zäh. Aus lustigen Schlagwörtern und krassen Standpunkten kann man zwar Diskussion anregen, aber am Ende des Tages ist Demokratie ein kollaborativer Prozess.
Wir brauchen keinen aggressiven, käseblattwürdigen Wahlkampf. Was wir brauchen, ist mehr Zusammenhalt und mehr Distanzierung von den Tendenzen, die sich nicht nur in unserem Land auftun, sondern auch in Europa und auch anderswo.
Und genau das ist, wofür Schulz steht, wofür er sich einsetzt. Das hat er an diesem Abend wunderbar demonstriert. Wir brauchen mehr "wir", wir brauchen ein starkes Europa, das zusammenhält und gemeinsam entscheidet. Zentral ist da der Leitspruch, der sich Anfang des Jahres auf den deutschen Subreddits als Gegenbewegung zu Trump etabliert hat: Make Europe great again. MEGA!

Einen klaren Gewinner kann ich aus dem TV-Duell nicht ziehen. Es war eine Katastrophe für sich. Das war aber nicht die Schuld der Kandidaten (die sich übrigens eher mit den "Journalisten" gestritten haben als miteinander), sondern der Moderatoren. Natürlich konnte Schulz nicht glänzen - das konnte niemand unter diesen Bedingungen. Viele sind aus diesem Duell mit einem überwältigendem "meh?" herausgetreten, auch die meisten unentschiedenen Wähler sind genauso schlau wie zuvor. Für den Wahlkampf war es wahrscheinlich wenig hilfreich. Aber eben auch nicht schädlich.

Mal gucken. Die Wahlen stehen ja noch vor uns. Hier bitte ich euch auch, eure Stimme geltend zu machen. Nur davon kann Demokratie leben, nur davon dämmen wir die Stimmen ein, die laut gegen die Demokratie schreien.

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