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Musikalischer Mittwoch - Genau in diesem Ton

Man kauft keine CDs mehr. Zumindest ist es sehr selten geworden. Schon vor mehr als zehn Jahren ist es üblich geworden, sich seine Musik einfach online zu kaufen und dann direkt schön verpackt als MP3 zur Verfügung zu haben - mittlerweile kann man auch einfach den Streaming-Dienst seiner Wahl beanspruchen und sich seine Wunschmusik quasi umsonst auf die Ohren rieseln lassen.
Ich will das auch gar nicht verurteilen, es ist ja nicht einfach so die beliebteste Methode geworden, um Musik zu konsumieren. Ohne mein Spotify-Abo wäre ich sehr, sehr unglücklich. Oder Raubkopierer.
Aber ab und zu soll es doch vorkommen, dass ich mir noch eine physikalische CD kaufe - meistens um die Werke meiner Lieblingskünstler in einem Schrank präsentieren zu können. Und weil mein Autoradio scheiße ist und nur auf CDs anspricht.
Es ist aber irgendwo auch ein kleines Abenteuer - vor allem dann, wenn man wortwörtlich nur einen Song des Albums kennt und dann auf einmal genau dieses Album für einen Spottpreis vor einem liegt. Verdammt seist du, Saturn mit deinen angemessenen Preisen!

Dies ist auch meine Vorgeschichte mit diesem Album. Wobei - eigentlich greift sie noch ein bisschen weiter.
Ehrlich gesagt mochte ich Jennifer Rostock früher nicht. Nicht weil deren Musik schlecht, nein. Mein Kopf hat sie immer mit den Pflaumen der deutschen Popmusik wie Silbermond oder Revolverheld in einen Topf geworfen. Keine Ahnung warum, aber die Assoziation hat dazu geführt, dass ich Jennifer Rostock gemieden habe. Weit.
Dieses Jahr hat mir aber irgendein Algorithmus von Spotify "Hengstin" vorgeschlagen (gepriesen sei die künstliche Intelligenz, #keinsponser #bittesponsortmich) und ich habe mich direkt in den Song verliebt. Der Sound war schräbbelig, kratzig, böse. Die Message aggressiv, aber genial. Genau mein Fall. Aber mir erschien es trotzdem nicht notwendig, den Rest des Albums zu hören. Fataler Fehler meinerseits.
Spulen wir aber mal weiter vor in der Zeit und kommen wir zu jenem Tag vor ungefähr anderthalb Wochen, an dem ich das Album für kleines Geld auf einem Angebotsaufsteller im Saturn fande. 6€ ist nicht mal ein Menü im McDonalds, also tut mir die Investition nicht weh. Und wie ich schon sagte, ich bereue es sehr, dieses Album nicht früher eine richtige Chance gegeben zu haben.

Direkt der erste Song des Albums, "Uns gehört die Nacht", öffnet mit einem ungewohnt elektronischem Sound - ich kannte ja bereits "Hengstin", das sich schwer nach Trap anhört, aber dieser Sound war anders. Kreischender, heller, etwas wehleidig. Punk, auf seine Art. Dieser Sound wird recht schnell von Alternative-Rock-Gitarren ergänzt, zusammen mit dem dazugehörigen Schlagzeug. Gänsehaut!
Ich will jetzt hier keine komplette Textanalyse wie beim letzten Mal machen, der Text steht ja für sich und sagt eben das aus, was er aussagt. Nichtsdestotrotz haben wir in diesem Album doch schon sehr starke Aussagen, die in mir Lust aufs Leben weckt. Ich will hier ein paar Highlights herauspicken.
Sehr stark ist auch der zweite Song "Irgendwas ist immer" - ein direkter Angriff auf die deutsche Beschwerkultur. Die Band zieht hier allgemeine Smalltalkthemen, die für manche schon einen Aufreger wert sind, ins Lächerliche. Man kriegt hier so manches vorgeführt, über das man sich wahrscheinlich selbst schon einmal aufgeregt hat.
Ein weiterer sehr starker Song ist das von mir bereits mehrfach erwähnte "Hengstin". Dieser Song überzeugt mit starkem Beat, der sich stark vom restlichen Album abhebt, aber doch gut in die Reihen passt. Ich liebe hier die Message! Ein starker Song für starke Frauen.
Durch das Album mischen sich auch ein paar langsamere Songs, diese sind aber nicht so nach meinem Geschmack. Natürlich immer noch sehr hörbar! Aber leider hat mich keiner davon umgehauen.
Trotzdem schließt das Album mit einem sehr hartem Song, "I Love You but I've Chosen Dispo". Er öffnet mit einem Beat, der sehr an die Outrun-Bewegung erinnert, die gerade hoch im kommen ist. Zunächst zeigt sich die Sängerin in einer sehr hohen, musikalischen Gesangsweise, springt im Refrain aber zu einem stark kontrastreichen Schreien über. Macht unglaublich Laune.

Also, kann ich dieses Album empfehlen?
Ein paar Songs wird man bestimmt schon einmal irgendwo gehört haben, schließlich war das Album mal auf Platz 2 der Albencharts. Trotz seiner "Mainstreamtauglichkeit" gefällt es mir im Großen und Ganzen gut - aber leider noch nicht unglaublich gut. Es gibt zwar einzelne Perlen, die für sich alleine genial sind, doch als ganzes Album reicht es nicht für eine Topbewertung von mir.
Wer ein Fan von Alternativ oder Punk ist, sollte sich trotzdem das ganze Album anhören. Ich bin normalerweise kein Fan von Punkmusik, irgendwie hat diese nie mit mir resoniert, doch die hier genannten Lieder haben mich sehr überzeugt.

Nehmen wir also die Skala Meide es wie die Pest - Meh - Die Singles sind gut - Hör' dir das Album an - KAUFEN!! JETZT!!, kriegt "Genau in diesem Ton":

Die Singles sind gut!

Kommentare

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Kommentar zu "Der brave Herr Schulz", oder: MEGA!

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>JA

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